Druckschrift 
3 (1852)
Entstehung
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Die Zahl derer, welche eine »mimschränkte Gewalt menschlichund edel auszuüben wissen, ist sehr Atting. Das weiß Jedermann,und der Sclavc am besten. Er fühlt daher, daß zehn Wahrschein-lichkeiten dafür sind, einen harten tprannischcn Herrn, und nur eine,einen gütigen zu finden. Deshalb ist der Schmerz um einen gutenHerrn laut und anhaltend.

Als St. Cläre den letzten Athemzug anshauchte, bemächtigtensich Schrecken und Betäubung des ganzen Haushaltes. Er warplvtzlick in der Blüthe der Jugend und Gesundheit dahin gerafftworden! Jedes Zimmer, jede Gallerte des Hauses ertönte vonThränen und Geschrei der Verzweiflung.

Marie, deren Ncrvensvstem durch eine fortwährende Nachsichtig-keit gegen sich selbst erschlafft worden war, hatte keine Kraft, dasEntsetzen des Schlages zu tragen, und während ihrMann starb, sanksie aus einer Ohnmacht in die andere, und Der, mit welchem sic durchdas gchcimnißvolle Band der Ehe für immer vereinigt worden war,verließ sic, ohne die Möglichkeit eines Abschiedswortes.

Miß Ophelia, deren charakteristische Stärke und Selbstbeherr-schung sie .bis zu dem letzten Augenblicke bei ihrem Verwandten aus-harren ließ, war ganz Auge, ganz Ohr geblieben, ganz Aufmerksam-keit, Alles von dem Wenigen thuend, was zu thun blieb, und vonganzer Seele in die zärtlichen und inbrünstigen Gebete einftimmend,welche der arme Sclave aus dem Innersten seiner Seele für seine» ster-bende» Gebieter sprach.

Als sie ihn auf seine letzte Ruhestätte brachten, fanden sic aufseiner Brust eine kleine glatte Kapsel, die sich mit einer Feder öffnenließ. Sie enthielt das Miniaturbild eines reizenden weiblichen Ge-sichtes und auf der Rückseite, unter Glas, eine Locke von dunklemHaar. Sie legten sie wieder auf die leblose Brust, Staub zum Staube die traurigen Ueberbleibsel früherer Träume, die einst dies kalteHerz so warm schlagen machten!

Tom's ganze Seele war von Gedanken an die Ewigkeit erfüllt,und während er um den leblosen Körper beschäftigt war, dachte ernicht ein Mal daran, daß dieser plötzliche Schlag ihn in hoffnungs-loser Sclaverei znrückließ. Er fühlte sich wegen seines Herrn beru-higt, denn in der Stunde, als er sein Gebet in den Busen seines Va-