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ien: Herr, Wan» sahen wir Dich hungrig oder durstig oder einenFremdling, oder nackt oder krank oder im Gcfängniß, und haben Dirnicht geholfen? Dann wird er zu ihnen sagen: Wad Ihr nicht tha-tct dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt Ihr mir nichtgethan."
St. Cläre schien von diesem letzten Satze ergriffen zu werden,denn er las ihn zweimal — das zweite Mal sehr langsam, und alsob er jedes Wort in seinem Geiste abwägc.
„Tom," sagte er, „die so hart bestraft wurden, scheinen geradegethan zu haben, was ich that — ein gutes, gemächliches, achiungs-werthes Leben führen, und sich nicht damit beunruhigen, zu fragen,wie viel ihrer Brüder hungrig oder durstig waren, oder krank oder imGefängniß."
Tom antwortete nicht.
St. Cläre stand auf und ging gedankcnooll in der Verandaauf und nieder; so ganz war er in Gedanken versunken, daß Tom ihnzweimal erinnern mußte, die Theeglvcke habe geläutet, bevor er seineAufmerksamkeit zu wecken vermochte.
St. Cläre war während der ganzen Theezeit zerstreut und ge-dankenvoll. Nach dem Thce »ahmen er, Marie und Miß Opheliadas Wohnzimmer beinahe schweigend in Besitz.
Marie streckte sich auf einem Ruhebette unter einem seidenenMoSquito - Vorhänge aus und sank bald in gesunden Schlaf. MißOphelia beschäftigte sich schweigend mit ihrem Strickzeugc. St. Cläresetzte sich an das Piano und begann eine sanfte, melancholische Me-lodie. Er schien in tiefe Träumerei versunken und in der Musik einSelbstgespräch zu halten. Nach einer kurzen Zeit öffnete er einenSchrank, nahm ein Notenbuch heraus, dessen Blätter vor Alter gelbwaren, und begann es durchzuwhen.
„Dies war eins von den Büchern meiner Mutter," sagte er zuMiß Ophelia, „und hier ist ihre Handschrift — sehen Sie. Sicschrieb es von Mozart's Requiem ab und arrangirte es." MißOphelia trat hinzu.
„Sic pflegte es oft zu singen," sagte St. Cläre. „Mir ist,als hörte ich sie noch."
Er schlug einige majestätische Accorde an und begann das groß-artige Dies irae.