Druckschrift 
3 (1852)
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

125

Thür, die nach der Veranda offen stand, um dem Gespräch, das ihmunangenehm war, ein Ende zu machen. Mechanisch wiederholte erdie letzten Worte: „Dem Tode nahe! " — und er lehnte sich gegendie Brüstung und beobachtete das funkelnde Wasser, wie es in demSpringbrunnen stieg und fiel und erblickte wie durch einen dünnenSchleier die Blumen und Bäume und Vasen des Hofes. Dabeiwiederholte er abermals das mystische Wort, das in jedem Mundeso gewöhnlich ist und doch von so furchtbarer Gewalt: Tod! —,,Sonderbar, daß es solch ein Wort giebt," sagte er, „solch einDing, und wir cs immer vergessen; daß man lebend sein kann, warm,schön, voll Hoffnungen, Wünsche und Begierden den einen Tag undden nächsten hin für immer!"

Es war ein warmer, goldiger Abend, und als er an das andereEnde der Veranda ging, sah er, wie Tom emsig in seiner Bibel las,und dabei mit dem Finger jedes Wort verfolgte, während er sich selbstalle ernst vorflüsterte.

„Soll ich Dir vorlescn, Tom?" sagte St. Cläre, indem er sichan seine Seite setzte.

„Wenn Mas'r wollte," sagte Tom erfreut, „Mas'r macht esso viel deutlicher."

St. Cläre nahm das Buch und las eine von den Stellen,welche Toni durch die starken Zeichen am Rande markirt hatte. Sielautete wie folgt:

„Wenn des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlich-keit und alle seine heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen aufdem Tbrone seiner Herrlichkeit und vor ihm werden versammelt seinalle Völker der Erde, und er wird sic von einander scheiden, wie derHirt scheidet die Schafe von den Böcken."

St. Cläre las mit lebendiger Stimme, bis er zu dem letztenVerse kam:

„Dann wird der König sagen zu denen zu seiner Linken: Hin-weg mit Euch, Ihr seid verflucht zu ewigem Feuer, denn ich binhungrig gewesen und Ihr habt mich nicht gespeist, ich bin durstig ge-wesen und Ihr habt mich nicht getränkt, ich bin ein Fremdling gewe-sen und Ihr habt mich nicht ausgenommen, ich bin nackt gewesen undIhr habt mich nicht gekleidet, ich bin krank und im Gefängniß gewe-sen und Ihr habt mich nicht besucht. Dann werden sic ihm antwor-te