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drehte sie oft die große» wilden Augen, wie Knaben thnn, die innerlichbereits dunkle Thaten spielen. Auf die Schwestern schlug sie, wenn siesich in ihre Spiele einmischen wollten — und wen» jetzt die Mutter ineiner Anwandlung verspäteter Liebe und Barmherzigkeit das kleine Wesenin die Arme schloß, und mit Thränen benetzte, so zeigte dasselbe keines-wegs Freude, sondern weinte, und wand sich aus den umfassenden Hän-den. Die Mutter aber wurde dadurch noch mehr zugleich liebend und er-bittert, weil sie nicht wußte, daß die kleinen Würzlei», als sie einst denwarmen Boden der Mutterliebe suchten und nicht fanden, in den Felsdes eigenen Herzens schlagen mußten, und da trotzen.
So ward die Wüste immer größer.
Als die Kinder empor wuchsen und schöne Kleider in's Haus kamen,waren jene Brigittes immer recht, die der Schwestern wurden mannig-fach geändert, bis sie paßte». Die andern bekamen Vcrhaltungsregclnund Lob, sic nicht einmal Tadel, wenn sie auch ihr Kleidchen beschmutztoder zerdrückt hatte. Da das Lernen kam, und die Stunden des Vormit-tags ausgefüllt waren, saß sie unten an, und starrte mit dem einzigenSchönen, das sie hatte, mit den in der That schönen düster» Augen aufdie Ecke des fernen Buches, oder der Landkarte; und wenn der Lehrereine seltene rasche Frage an sie that, erschrak sie, und wußte keine Ant-wort. Aber an langen Abenden, oder sonst, wenn man im Gesellschafts-zimmer saß und sie nicht vermißte, lag sie auf der Erde über durcheinan-der geworfenen Büchern oder über Bildern und zerrissenen Karten, die dieandern nicht mehr brauchten. Sie mochte eine fantastische verstümmelteWelt in ihr Herz hinein brüten. Sie hatte von den Büchern ihres Va-ters, da der Schlüssel immer stak, beinahe die Hälfte gelesen, ohne daßman es ahnte. Darunter waren die meisten, die sie nicht verstehen konnte.In der Wohnung fand man oft Papiere, auf denen seltsame wilde Dingegezeichnet waren, die von ihr sein mußten.
Als die Mädchen in das Jungfrauenaltcr getreten waren, stand siewie eine fremde Pflanze unter ihnen. Die Schwestern waren weich undschön geworden, sic blos schlank und stark. In ihrem Körper war fastManneskraft, was sich dadurch erwies, daß sie eine Schwester, wenn sieihr Tändeleien sagen oder sie liebkosen wollte, mit dem schlanken Armeblos ruhig weg bog, oder daß sie, wie sic gerne that, Hand an knechtlicheArbeit legte, bis ihr die Tropfen auf der Stirne standen. Musik machen