Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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287
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chm gegen sein Gemach vernehmen. Er riß den Brief, der auf dem Tischelag, an sich, verbarg ihn in der Tasche, und ward sv rvth, als Halle ereine Schandthat begangen. Es geschahen ein paar nachlässige Schlägean seine Thür, und vhne Umstände trat der Besuch herein. Es war ebensv ein junger Mann kriegerischen Ansehens, wie wir eben Vvn ihnen ge-redet haben. An den Stiefeln tönten die Sparen. Unter einem rauhen,guten Tag, Freund," legte er den Hut hin, warf sich in den Armsessel,und begann ein Gespräch, das er über den Dienst, über lange Weile, überTheater, Mädchen und Pferde führte. Hugo Härte ihn an, und erwiedertemanchmal etwas auf höfliche Weise. Als er endlich fragte, vb sich denngar nichts neues zugetragen habe, das nur einige Abwechslung in dieZeit bringe, sagte ihm Hugv von dem Briefe nichts, svndern erwiederte,daß sich wahrscheinlich nichts zugetragcn habe, was man seiner besondernAufmerksamkeit Werth halten und ihm anvertrauen möchte.

Da Hugv's Bekannte schon wußten, daß er sich i» seiner gewohntenEintheilung der Zeit nicht irre machen ließe, so trat er auch jetzt an denTisch, und sing auf seinen großen schwarzen Schiefertafeln aus einemBuche zu rechnen an. Der Mann, der zu Besuche da war, nahm seinePfeife heraus, rauchte, blätterte in einem Buche, und begleitete endlichHugo aus dem Hause, da dieser den Griffel weglegte und erklärte, daß erjetzt zu seinem Mittagsessen gehen werde. An der Schwelle des Gasthau-ses, in dem Hugo gewöhnlich, trennten sie sich.

Am andern Tage, genau als die Uhr von Sanet Peter zehn schlug,trat Hugo durch das große Thor in die Kirche. Er hatte wohl flüchtigdaran gedacht, daß die Bestellung etwa ein Scherz eines seiner Kameradensein könnte; aber zum Thcile stand er mit keinem so, daß dieser Scherzleicht denkbar gewesen wäre, zum andern Theile hatte er sich nichts ver-geben, wenn er kam, selbst wenn ein Scherz statt gefunden haben sollte.

Es wurde am Hauptaltare in der Kirche eben eine Messe gelesen, diezu dieser Stunde angesetzt ist. An einem der Seitenaltäre trat gleichfallsein Priester über. In Stühlen saßen allerlei Menschen herum, anderestanden hcraußcn auf dem Pflaster, wieder andere knieten thcils in denStühlen, thcils in den breiten Gängen der Kirche. Hoch oben durch dieFenster wallte ein Sonncnstrom herein, und setzte den ruhig erhabenenRaum in warmes Feuer. Hugo war vor sich selber in einiger Verlegen-heit , da ibm sein Gefühl sagte, daß er heute nicht aus Andacht in die