Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
286
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An Hugo's Thür ward gepocht, der bekannte Briefträger trat ein undbrachte ein Schreiben. Als der kleine Betrag dafür entrichtet war, ginger wieder fort. Hugo sah gleich, daß der Brief nicht von dem Altkncchteseines Vaters sei, dem einzigen Menschen, von dem er Briefe zu cmpfan-* gen pflegte. Das Schreiben war auf nicht gar feinem, nicht gar weißemPapiere, und der Umschlag trug eine nicht gar schöne Schrift. Hugo er-brach das Siegel, und las folgenden Inhalt:Wenn ihr der junge Alaunseid, der so wundersam schöne blonde Haare hat, und sie nicht gar zu kurz,aber auch nicht gar zu lange auf seinen Nacken niedergehend trägt, so er-füllet einem alten Manne die Bitte, und seid morgen zwischen zehn undcilf Uhr in der Kirche von Sanct Peter."

Der Brief hatte keine Unterschrift, und Hugo hielt ihn verblüfft inseinen Händen. Die Schrift war augenscheinlich die eines Mannes, undzwar eines alten Mannes, wie die festen, starken, aber zitternden Zügevcrriethen. Allein was der Mann von Hugo wollte und warum er nichtlieber gleich zu ihm in die Stube gekommen sei, war nicht zu enträthscln.

Wer weiß, ob ich auch der Mann mit den wundersamen schönenblonden Locken bin, oder ob cs nicht einen andern gibt, der noch wunder-samere, schönere und blondere hat," sagte Hugo lächelnd zu sich, und wärebald versucht gewesen in den Spiegel zu schauen. Aber der Name, aufden der Brief lautete, war der seine. Und in der That, die Locken, diean den Seiten seiner Stirne nieder gingen, waren wundersam genug.Wenn blonde Locken kräftig sind, und den milden Metallglanz haben, sokann man sich an jungen Menschen kaum etwas schöneres denken. Hugohatte darunter eine reine Stirne, von zwei geistvollen klaren Augenbogcngeschnitten, seines starkes Wangenrot!), und die Lippen frisch und kräftig,die noch von keinem Menschen dieser Erde, nicht einmal von einem Kindegeküßt worden sind. Die Augen hatte er von der Mutter, groß und blau.Sie waren so gut, daß, hätten sie sich nicht eben jetzt in's Männlichehinüber verändert, man gesagt haben würde, er hätte sie von einer edlenschönen Frau empfangen. Ueberhaupt sah er viel jünger aus, als seineJahre waren, und er hatte von manchem aus dem Kricgcrstande, die erbei seinen Ucbungen kennen gelernt hatte, und die ihn gelegentlich be-suchten, einigen Hohn und Scherz zu erfahren, da sie ihn spottwcise nurimmer den heiligen Aloisius nannten.

Eben, da er so stand, ließen sich klirrende Tritte durch sein Vorstüb-