Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
284
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Auf dcm, dem Siegel beigelegten Papiere stand, daß ihm der Bat« hierdas Siegel übergebe, das man immer in der Familie geführt habe, unddaß er ihm die Worte, die darauf stünden, auf das Beste empfehle; dennso lange der Sinnspruch desselben befolgt werde, ist nichts verloren,und man steht vor sich selber und den anderen gerechtfertigt und un-tadelig da.

Ja," dachte Hugo,das will ich unabänderlich befolgen: so langeich lebe, soll kein Makel an mein Herz und meine Ehre kommen, cs sollkein Einziger sein, der etwas Schimpfliches über mich zu sagen wüßte,und vor allen Andern soll ich selber nicht dcr Einzige sein, der eine ge-heime Schuld hätte, und sich dieselbe erzählen könnte. Ich will einegroße und nützliche That thnn Helsen, und erst dann, wenn ich meineigenes Gewissen befragt habe, ob cs genug sei, und wenn mein eigenesGewissen geantwortet hat: wenn dcr Vater lebte, würde er cs einerRede des Abends für wcrth halten dann werde ich nach Hause gehen,das alte Haus in meine Obsorge nehmen, und alle die behüten, die miruntergeben sind, und ein Recht haben auf meinen Schutz und meineVerwaltung."

Mit dcm großen Schmerze in dcm Herzen ging er an die Fortsetzungseiner Arbeiten und Bestrebungen. Sie zeigten ihm bald eine neueSeite. Waren sie ihm früher nur Beruf und Mittel zum Ziele gewesen,so wurden sie ihm nun eine Art Trost, gleichsam ein unsichtbares Bandmit dem Verstorbenen, der auch diesem Stande angehört hat, und denKreis dieser Dinge bald ganz, bald zum Theile gleichsam mit hinüber indie Ewigkeit gezogen hat. Er arbeitete sehr fleißig und erst jetzt setzte erseine Studien mit dcr wahren und rechten Begeisterung fort.

Fast zwei Jahre waren seit dcm Tode des Vaters wieder verflossen.Hugo blieb in der Stadt rein und stark, wie eine Jungfrau; denn indessen Busen ein Gott ist, der wird von den Niedrigkeiten, die die Welthat, nicht berührt. Obwohl er nun schon im vierten Jahre in der großenStadt war, lag ihm das Herz noch so einsam in seiner Brust, wie einstauf der Gebirgshalde nur daß cs ihn zuweilen, wenn er auf denHöhen um die große Stadt herum schweifte, wie Heimweh überkam, oderwie eine traurige Sehnsucht. Er hielt cs für Thatendurst; in Wahrheitaber war es, wenn er so die Landschaft übersah, ein sanftes Anpochenseines Herzens, das da fragte:Wo in dieser großen Weite hast du denn