Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
268
Einzelbild herunterladen
 

Abdias erkannte, daß sie vor dem Regen kaum mehr das Haus er-reichen würden, und daß vielleicht der Rath Ditha's der beste wäre. Daer aber der Leichtigkeit des Garbenhauses nicht traute, wenn etwa einWind käme, so fing er an, mit eigenen Händen noch mehr Garben herbeizu tragen. Als Ditha seine Absicht begriff, half sie ihm, bis ein solcherVorrath beisammen war, daß er die Wetterseite mit einer dichten Gar-benmaucr besetzen, und dem Ganzen eine solche Festigkeit geben konnte,daß es nicht leicht vom Winde zu zerreißen war. Gegen Morgen ließ erdie Oeffnung frei, daß sie auf das Spiel des Regens hinaussehcn, undeine Uebcrsicht auf den Abzug des Gewitters haben könnten. Das Ob-dach wurde endlich fertig, aber cs rührte sich noch immer kein Lüftchen,und cs siel kein Tropfen, Die gelben Stoppeln lagen vor ihnen, diezarten von dem Schirme der weggcnommcnen Halme entblößten Gläs-chen regten sich nicht, und über dem blauen Felde des Flachses hoch inder Luft sang eine Lerche, von dem fernen tiefen Donner zuweilen unter-brochen,

Ditha hatte ihre Gcwitterfreudigkeit, sie wendete sich gegen Abend,und sagte:Wie es so herrlich ist, wie es so unsäglich herrlich ist. WeilDu nun auch da bist, o Vater, so ist es mir noch lieber."

Sie standen vor ihrer aus Garben aufgebauten Behausung, schau-ten die Wolken an, und waren in jedem Augenblicke bereit, wenn derRegen beginne, sich in die Hütte hinein zu setzen. In den oberen Thei-len des Himmels mußte schon der Wind herrschen; denn die grauenSchleier, welche dem Gewitter vorher zu gehen pflegen, liefen sichtlichdahin, sie hatten schon die Sonne überholt, standen bereits über denHäuptern der Zuschaucndcn und eilten gegen Morgen.

Abdias hatte im Innern des gebauten Obdaches mehrere Garbenzu einem Sitze zurecht gelegt, und setzte sich hinein. Ditha, mit derden Kindern eigenthümliche Liebe zur Heimlichkeit setzte sich in demkleinen gelben Häuschen zu ihm. Der vor ihnen gegen Morgen offengelassene Raum nützte gerade so viel, daß sie zu ihren Füßen ein Thcil-chen Stoppelfeld sahen, dann ein Stückchen Flachs, und oben diegrauen luftigen Schleier, die am Himmel hinzogcn, auch konnten sie dieLerche hören, die oberhalb des Flachses sang. Die Donner waren nochimmer ferne, obgleich die Wolken schon den ganzen Himmel angefüllt