Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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Abdias kleidete sie nämlich gerne reich, und wenn sie nicht in dem vonihr noch immer sehr geliebten Linnen ging, so ging sie in dunkelfarbigerSeide, entweder blau, oder grau, oder violett, oder schwach braunaber niemals schwarz. Der Schnitt ihres Kleides war wohl von Fernedem europäischen ähnlich, da die Kleider von ihrer Zose gemacht wurden,aber er mußte immer so sein, daß die Kleider weit und faltig um sie hin-gen, da sie von ihrer Heimat her an keinen Druck gewohnt war, und kei-nen litt. Oester stand sie auf, wenn sie lange an dem Rande des Kornesgesessen war, und wandelte allein an dem Saume des Getreides dahin,daß ihre Gestalt weit in dem Thale gesehen wurde, wie sie entweder inLinnen leuchtete, oder schwach und unbestimmt in Seide glänzte. Abdiasholte sie dann gewöhnlich ab, und sie gingen miteinander nach Hause.Er dachte, er müsse mit ihr verständig reden, daß sie selber verständigwürde, und fortleben könnte, wenn er todt sei. Und wenn sie so gingen,redete er mit ihr: er erzählte ihr arabische Wüstenmärchen, dichtete ihrsüdliche Bilder, und warf seine Beduincngedauken gleichsam wie ein Geierdes Atlasses an ihr Herz. Er bediente sich hiezu meistens der arabischenSprache, welche die seines Baters war. Er hatte wohl, wie er es in sei-nen jugendlichen Waudcrjahren sich angewöhnt hatte, sehr schnell dieSprache des Landes gelernt, und hatte sie mit denen, mit welchen er frü-her im Handel umgcgangeu war, geredet, und redete sie mit denen, die erjetzt im Dienste hatte; aber mit Ditha sprach er am liebsten arabisch. Daer aber auch zuweilen eine andere Sprache des Morgenlandes gegen siegebrauchte, da sie auch sowohl von seinem Munde als auch von dem derDicnstlente die Landessprache lernte; so kannte sie eigentlich ein Gemischvon allem, drückte sich darin aus, und hatte eine Gedankenwcise, die die-ser Sprache angemessen war.

Wenn Abdias nun so voraus dachte, wie alles werden würde; wenner an einen künftigen Bräutigam dachte, so fiel ihm die schöne, dunkle,freundliche Gestalt Uram's ei», dem er sie gegeben hätte aber da Uramtodt war, konnte er sich nichts anders denken, als daß Ditha immer schö-ner und blühender werde und so fort leben würde.

Und in der That schien cs, daß dieser Wunsch in Erfüllung gehensollte. Sie war in der letzten Zeit bedeutend vollkommener geworden.Ihr Körper war stärker, das Auge ward schöner, dunkler, sehnsüchtiger,die Lippe reifer, und ihr Wesen kräftiger, wie sie denn überhaupt in ihrer