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Abdias beobachtete nun Ditha genauer, und sah die Erscheinungin diesem Sommer noch zweimal an ihr. Zm Winter war nichts zu be-merken.
Das zweite, was Ditha eigcnthümlich und von andern Menschenabweichend hatte, war woht nur eine natürliche Folge ihrer Verhältnisse,die von allem verschieden waren, was Menschen gewöhnlich begegnenkann, es war die Folge ihres früheren Zustandes und ihrer einsamenEntwicklung. Wie nämlich bei andern Menschen das Tag- und Traum-leben gesondert ist, war es bei ihr vermischt. Bei andern ist der Tag dieSiegel, die Nacht die Ausnahme: bei ihr war der Tag vielmehr das Aus-genommene. Ihre vergangene, lange, vertraute Nacht reichte nun inihren Tag herüber, und jene willkührlichen von andern Menschen nichtverstandenen Bilder ihrer innern Welt, die sie sich damals gemacht hatte,mischten sich nun unter ihre äußeren, und so entstand ein träumend sin-nendes Wesen, nur zuweilen von einem schnell handelnden unterbrochen,wie es eigentlich Abdias Natur war; es entstand eine Denk- und Rede-weise, die den andern, welche sie gar nicht kannten, so fremd war wiewenn etwa eine redende Blume vor ihnen stände. Sonst einsam in ihrerNacht sitzend war sie auch jetzt gerne allein, oder mit ihrem Vater, dersie sehr gut verstand. Aus jener lange» Nacht mochte es auch Herkom-men, daß sie nicht die brennenden, sonder» die kühlen und dämmerndenFarben vorzugsweise liebte, und darunter wieder das Blau. Als sic ein-mal etwas weit von ihrem Hause waren, durch den Föhrenwald gingen,von dem wir oben geredet haben, und jenseits desselben an einem großenblühenden Flachsfelde standen, rief sie aus: „Vater, steh nur, wie derganze Himmel aus den Spitzen dieser grünen stehenden Fäden klingt!"
Sie verlangte hierauf, - daß ein Stück davon nach Hause genommenwürde. Er aber führte sie näher, zog einige Fäden aus, zeigte ihr diefeinen kleinen Blumen, und machte ihr so klar, daß mau nicht gleich einganzes Stück von diesem Blau wegnehmen könne. Dafür versprach erihr, daß sie bald zu Hause ein solches blaues Feld haben werde.
So sprach sie auch von violetten Klängen, und sagte, daß sic ihrlieber seien, als die, welche aufrecht stehen und widerwärtig seien, wieglühende Stäbe. Ihre Stimme, die sie in der letzten Zeit ihrer Blindheitimmer lieber zum Singen, als zum Sprechen erhoben hatte, wendete sichfrühzeitig einer sanften klaren Alte zu. Sv lebte sie eine Welt aus Sehen