Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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sam mit Knallen in einem prächtigen Thurm von Blumen aufbricht: —so schien es mit Ditha ; seit die zwei Blumen ihres Hauptes ausgegangenwaren, schoß ein ganz anderer Frühling rings um sie herum mit Blitzes-schnelle empor; aber nicht allein die äußere Welt war ihr gegeben, son-dern auch ihre Seele begann sich zu heben. Gleichsam wie die Flatter-flügel wachsen, daß man sie sieht, wenn der junge Vogel noch an derStelle sitzt, an welcher er aus der Puppe gekommen war, die die Fittigeso lange eingefaltet gehalten hatte, so dehnte das junge Innere Ditha'sdie neuen eben erst erhaltenen Schwingen — denn die Sekunden flogenmit Kleinodien herbei, auf den Augenblicken lagen Welttheile, und jederTag endete mit einer Last, die er ihr auflud. So wunderbar ist dasLicht, daß auch ihr Körper in sehr kurzer Zeit ein anderer ward; dieWangen wurden roth, die Lippen blühcten, und nach wenigen Wochenwar sie in ihren Gliedern voller und stärker. Abdias hatte lauter weißeHaare, scm Gesicht war schwarz, von gekreuzten Narben durchzogen,und in den Zügen war Verfall cingegraben. So ging er neben der Toch-ter, die jetzt schon schlank und sicher wandelte; denn sic waren schierimmer im Freien, das Ditha so liebte, und er nicht minder.

Aber nicht nur schöner ward das Antlitz des Mädchens, sondern esbegann auch zu leben, und sichtlich immer mehr das Schönste zu zeigen,was der Mensch vermag, das Herz.

Wie Abdias vor mehreren Zähren angefangen hatte, Plötzlich geizigzu werden, so wußte man jetzt nicht mehr, ist er cs noch, oder nicht. Erging immer neben dem Mädchen. Alle, die den Juden haßten, sahen mitsichtbarlichen Wohlgefallen in das unschuldige Angesicht seiner Tochter.

Auch die Augen, die einst so starren unheimlichen Bilder, wurdennun menschlich lieb und traulich; denn sie fingen zu reden an, wie Men-schcnaugen reden — und Fröhlichkeit oder Neugierde oder Staunen maltesich darinnen — auch Liebe malte sich, wenn sie plaudernd und schmei-chelnd auf Abdias Züge schaute, die nur ihr allein nicht häßlich erschie-nen ; denn was die Außenwelt für ihre Augen war, das war er für ihrHerz — ja er war ihr noch mehr, als die Außenwelt; denn sie glaubteimmer, er sei cs, der ihr diese ganze äußere Welt gegeben habe.

So verging der Sommer, so der für das Mädchen sehr traurigeWinter, und wieder ein Sommer und ein Winter. Ditha gedieh immermehr, und blühte immer schöner.

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