Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
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in ein düsteres Grübeln hinein gelockt über Borsicht, Schicksal und letztenGrund aller Dinge.

Es ist der Jude Abdias, von dem ich erzählen will.

Wer vielleicht von ihm gehört hat, oder wer etwa gar noch dieneunzigjährige gebückte Gestalt einst vor dem weißen Häuschen hat sitzengesehen, sende ihm kein bitteres Gefühl nach weder Fluch, noch Segen,er hat beides in seinem Leben reichlich gccrndtet sondern er halte sichin diesen Zeilen noch einmal sein Bild vor die Augen. Und auch derje-nige, der nie etwas von diesem Manne gehört hat, folge uns, wenn csihm gefällt, bis zu Ende, da wir sein Wesen einfach auszustellcn versuchthabe», und dann urthcile er über den Juden Abdias, wie es ihm seinHerz nur immer cingibt.

Tief in den Wüsten innerhalb des Atlasses steht eine alte, aus derGeschichte verlorene Römerstadt. Sie ist nach und nach zusammengcfal-lcn, hat seit Jahrhunderten keinen Namen mehr, wie lange sie schonkeine Bewohner hat, weiß man nicht mehr, der Europäer zeichnete sic bisans die neueste Zeit nicht auf seine Karten, weil er von ihr nichts ahnete,und der Berber, wenn er auf seinem schnellen Rosse vorüber jagte, unddas hängende Gemäuer stehen sah, dachte entweder gar nicht an dasselbeund an dessen Zweck, oder er fertigte die Unheimlichkeit seines Gcmüthesmit ein paar abergläubischen Gedanken ab, bis das letzte Mauerstück ausseinem Gesichte, und der letzte Ton der Schakale, die darin Hausen, ausseinem Ohre entschwunden war. Dann ritt er fröhlich weiter, und esumgab ihn nichts, als das einsame, bekannte, schöne, lieb gewordeneBild der Wüste. Dennoch lebten außer den Schakalen, der ganzen übri-gen Welt unbekannt, auch noch andere Bewohner in den Ruinen. Eswaren Kinder jenes Geschlechtes, welches das ausschließendste der Welt,starr blos ans einen einzigsten Punkt derselben hinweisend, doch in alleLänder der Menschen zerstreut ist, und von dem großen Meere gleichsamauch einige Tropfen in diese Abgelegenheit hinein verspritzt hatte. Düstre,schwarze, schmutzige Juden gingen wie Schatten in den Trümmern herum,gingen drinnen aus und ein, und wohnten drinnen mit dem Schakal,den sic manchmal fütterten. Es wußte Niemand von ihnen, außer dieanderen Glanbcnsbrüder, die draußen wohnten. Sie handelten mit Goldund Silber und mit andern Dingen von dem Lande Egypten herüberauch mit verpesteten Lappen und Wollenzeugen, davon sie sich wohl scl-