Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

135

bekam bei diesen Dingen mehr Einsicht, als ich früher hatte, und änderteden Riß, den ich zu verschiedenen Zeiten zu meinem Schreibgerüste ge-macht hatte, daß es in festem Eichcnholzc geschnitzt würde, wieder ganzund gar ab. Ich nahm mir vor, den Riß, che die Arbeit in Holz an-gcfangcn würde, den Obrist zu zeigen.

Ein paar Male war er mit Margarita auch sogar bei mir hcruntcn,und das letzte Mal ließ ich seine Braunen heimlich in das Haghaus zurückgehen und führte ihn dann mit Margarita mit meinen Rappen hinauf,La sie zum ersten Male die schönen Bänder, die ihnen von Margarita ge-macht worden waren, auf sich hatten.

Manchmal, wenn wir so an späten Abenden bei einander saßen,draußen strenge Kälte herrschte, und herinnen in der Heize die großenBlöcke glommen, ihren rothen Schein mit dem weißen der Lampe imRaume des Zimmers mischten, der Obrist an seinem schönen weißenBarte Von der Glut rosenfarbcn angeleuchtet in dem Armsessel saß, undich und Margarita neben einander ihm gegenüber: so legte sie gerne ihreHand auf die meine, wir faßten unsere Hände, und hielte» uns längereZeit dabei, während von ganz fremden Dingen der Welt draußen, odervon anderen, die uns schon näher angingen, die Rede war. Der Obristhat dieses gesehen, er hat aber nie etwas darüber gesagt. Wenn andereeine Neigung zu einander haben, suchen sie dieselbe zu verheimlichen, wiraber thaten dieses nicht, sagten aber auch nichts, und lebten so mit ein-ander fort. Wir haben auch zu uns selber nichts mehr von unserer Zu-neigung gesagt, seit jenem Abende, wo wir im Eichcnhage einander ver-trauten, daß wir uns sehr lieben. Ich hatte nicht den Muth, sie vondem Obristen zu meinem Weibe zu begehren cs kam mir auch vor,daß cs noch nicht Zeit sei. Er, obwohl er cs wußte, redete nie von Din-gen, die hieher einen Bezug haben könnten, sondern war immer freund-lich und heiter, und sprach von allem, das in dein Reiche seiner Betrach-tungen war, oder dem er zu einer Handlung oder irgend einer Gestal-tung, wie sie ihm geläufig war, eine Zuversicht abzugcwinncn ver-mochte.

So war der Winter endlich dahin, und wieder der Frühling gekom-men, die liebliche Freude unserer Wälder. Da geschah etwas, das allesänderte.

Zwar der Obrist ist nicht geändert worden. Wenn ihm sogar etwas