Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60

Aber etwas anderes hatte sich verbessert, dessen Nutzen ich sehr bald,als ich mich in der Gegend aufhielt, empfinden lernte. Es waren, da ichals Knabe fortzog, schier keine anderen Wege, als nur Fußwege durchdie Gehölze und auf den Höhen herum. Wo man fahren konnte, hattesich der Weg nur durch Gewohnheit gebildet, indem man nämlich dieGründe, wo ein Wagen gehen konnte, benützte, und sich so die Gleisebildeten, auf denen dann in der Zukunft die Wägen sich folgten. Aberda der Boden der Gleise ungleich dicht war, entstanden Gruben undVertiefungen, welche das Fahren zu einer schweren Arbeit machten, wennman Holz oder etwas anderes nach Hause zu schaffen hatte. Daß mansich auf einen Wagen setzen, und sich aus demselben fortsahrcn lassenkönne, blos zu dem Behufe, daß man nicht gehen dürfe, davon hattendie Waldbcwohner keinen Begriff. Es wäre auch beschwerlicher und viellangsamer gewesen, als das Gehen ; sic setzten sich nur auf einen Wagen,wenn derselbe zufällig leer war, um etwas fuhr, und hauptsächlich aufeinem schmalen von Gestrüpp begrenzte» und morastigen Wege ging, daßman nicht an seiner Seite her gehen konnte. Dann saß derjenige, derdas Gespann lenkte, fast stehend auf dem obersten Rande der Leiter oderdes Brettes, das den Wagen schloß, und ließ sich hin und her wiegen,wenn die Räder in Gruben nieder gingen, oder aus denselben empor stie-gen. Die Bewohner der Ebene aber hatten in der Zeit durch das Bei-spiel und die Belehrungen eines Mannes angeregt, der unter ihnen großeBesitzungen hatte, angcfangcn, ganz ordentliche Straßen zu bauen, wieman sie immer in den Ländern sieht, wo die Fuhrleute fahren und dieMaaren gehen. Sie bauten diese Straßen nicht etwa blos von Ort zuOrt, sondern, da sie den Nutzen derselben cinsehen lernten, selbst in dieFelder und wo überhaupt öfter ein beladener Wagen zu gehen hat. DieSchönheit dieses Dinges lenkte die Augen auf sich. Die Waldleutc, dasie öfter hinauskamen, und sahen wie die Wägen auf den breiten festenund fast gewölbten Fahrbahnen dahin rollten, als ob die Thicre lediggingen, freuten sich darüber, und bauten zwar im Gebirge keine Stra-ßen, weil sie sagten, das geht bei uns nicht, aber sie warfen doch in dieGruben ihrer Wege Steine, ebneten die Oberfläche, räumten manchesGestrüppe weg, daß neben den Gleisen ein Fußweg wurde, und konntenden Morast auf ihren Wegen nicht mehr leiden, oder daß sich irgend einBach eine Strecke des Weges zum Rinnsale erkor. Da sie bald sahen.