56
Fieber entzündlich sei, daß ich jetzt noch nicht viel sagen könne, daß ichmorgen schon sehen werde, nnd daß ich hoffe, ihn bald heraus zu bringen.
„Thne das, Sohn," antwortete der Vater, „thue das."
Den gebrechlichen Tisch, der in dein Vorhause war, hatte man indie Stube herein gebracht, und er stand mit weißen Tüchern ausgedeckt,nnd mit Tellern und Eßbestecken beladen da. Daß er nicht breche, hatteman an den einen Fuß, der der schlechteste war, einen Stab angebunden,der die Tafel stützte. Nun wurde das Abendmahl aufgetragen und wirsetzten uns alle dazu. Es war sogar eine Flasche Wein da, die der Vaterneulich, da er wohl meine Ankunft, aber nicht den Tag wußte, zur Feierderselben nach Hanse gebracht hatte, da er auf dem Lande draußen gewe-sen war. Als das Mahl verzehrt und der Wein getrunken war, begabenwir uns alle zur Ruhe. Die Schwestern hatten rückwärts ein Kämmer-lein, das gegen den Garten hinausging, nnd in dem die zwei Bettenstanden und ein Kasten, in den sie ihren Putz oder etwa andere Schätzethaten, die sie gelegentlich bekamen. Der Bube Thomas ging in dasHeu, und der Vater legte sich in das Ehebette, das in der großen Stubestand, nnd aus dem ihm die Gattin schon längstens, daß ich mich ihrerkaum mehr entsinne, weggestorben war. Ich schloß meine zwei Fenster,schürte im Ofen die noch übrige Glut auseinander, daß cs nicht zuwarm werde, und bat Gott, da ich mich zum ersten Male in mein Bettniederlegte, daß er mein hiesiges Wirten segne» wolle.
Am andern Morgen frühe ging ich zu dem Knechte des Meiihauerhinab. Als ich wieder zurück kam, waren an meinen Fenstern zwei sehrschöne weiße Vorhänge, die gestern noch nicht gewesen waren, und dieKatharina aus irgend einem schönen Linnen gemacht hatte. Ich freutemich darüber und dankte ihr sehr. Es warteten bereits wieder vieleLeute, die in verschiedenen Dingen meinen Rath und meine Hülfe ver-langten. Ich redete recht freundlich mit ihnen, nnd nahm die kleineGabe, die sie darboten, an. Ich halte jedes einzeln in mein Gemachkommen lassen, auf dessen Tische noch nicht einmal ein einziges BlattPapier lag, sondern nur mein Stock und mein Barett. Der Vater hatteviele Freude und ging mit einem sonnenscheinhellen Gesichte in dem Hauseherum. Bei den Schwestern schien cs auch, als hätte» sie schönere Ge-wänder an, als ich es sonst an ihnen zu sehen gewohnt war. Nachmittagbestellte ich bei dem Schreiner, der nicht weit von uns wohnte, einen