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2 (1855)
Entstehung
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gethan hatten, und gab ihr ein Kreuz. Ich legte auch nach von ihrenBlumen, die noch da standen, etwas um das reine unbewegliche Haupt.Dann setzte ich mich nieder und blieb sitzen, wie Stund an Srund ver-ging. Damals dachte ich vst an das alte Bvlk der Egypter, daß sie ihreTodtcn einbalsamirten, und warum sie es gcthan. Ich habe in ihremZimmer keine Wachslichter anzünden und keine schwarzen Tücher span-nen lassen, sondern ich hatte die Fenster geöffnet, daß die freie Lust her-ein sah. An dem ersten Abende waren an dem Himmel draußen vielerothe Lämmerwvlken gewesen, daß im Zimmer lauter rothe sanfte Rosenschienen ; und Nachts, wenn die Lampe brannte, waren weiße ans ihrenGerüchen, und auf ihren Kleidern-und wenn sie in dem Nebenzim-

mer draußen stille waren und beteten, weil sie die Leiche fürchtete»,rückte ich ihr das Hauptkisscn, weil das Angesicht schief zu sinken be-gann. Am zweiten Morgen wurde sie begraben. Es kamen die Trä-ger, und ich ging mit ihnen. Auf dem Kirchhofe standen viele Leute, undder Pfarrer hielt eine Rede. Dann thatcn sie sie in die Erde, und war-fen die Schollen ausßsie. Als alles vorüber war, und drüben jenseits derHäuser die alten Wälder standen, und eine fremde leere Luft über siefloß, versuchte ich nach Hanse zu gehen. Auf den Feldern gegen die Ha-sclbestände hinauf ackerten sie, und säeten das Wintergetreide in die Erde.Ich ging durch den Garten, wo die Herbstblätter absielen, in das sehrstille Haus. In der Stube standen noch die Sessel in derselben Ordnung,wie sie den Sarg getragen hatten, aber sie war nicht darauf. Ich setztemich in einer Ecke nieder und blieb sitzen. An dem Fenster stand noch ihrArbeitstischchen, und die Laden unserer Kästen machte ich nicht auf. Wieviele Afterdinge, dachte ich, wird die Welt nun noch auf meine Au-gen laden, nur sie allein, sie allein nicht mehr. Und wie cs lange,lange so stille war, und die Dienstboten aus Ehrfurcht draußen nur flü-sterten, that sich ungeschickt die Thür auf, und mein Töchterlein gingherein, das schon vor einer Stunde zurück gekommen war, und sich nichtaus ihrem Stüblein getraut hatte. Auf ihrem Munde war die Knospeder 'Rose, die sie eben begraben hatten, und in dem Haupte trug sie dieAugen der Mutter. Und wie sie schüchtern vorwärts ging, und mich sositzen sah, fragte sic:Wo ist Mutter?" Ich sagte, die Mutter sei heutefrüh zu ihrem Vater gegangen, und werde recht lange, lange nicht zurückkommen. Da sie sich auf das Wort beherrschen wollte, wie sie gewöhnt