unliebe Todtendämmerung um alle Dinge floß. Er schritt gegen dieFenster, zog die Verhänge empor, ließ sie dann wieder nieder, und zogsie doch endlich empor. Sodann nahm er mir die Handschuhe und dasBarett, legte beides auf sein Bette, und stand dann da, und hatte dieweißen Haare so genau und reinlich zurückgckäinmt wie immer. Er hattenoch nichts geredet, ich auch nicht.
Endlich nahm er das Wort und sagte: „Das ist ein schöner Tag,Herr Doctor."
„Ja, ein sehr schöner," antwortete ich.
„Ist die alte Sara schon besser, und was macht der Erlebaucr?"
„Die Sara ist ja schon seit drei Wochen nicht mehr krank, und derErlebauer wird auch schon besser."
„Das ist gut; cs wäre Schade um den Mann gewesen, er ist sehrthätig und hat fünf lebende Kinder."
„Gestern hat er die Krisis überstanden, und die nützliche Luft wirdihn bald heilen."
„Habt Ihr noch viele Kranke?"
„Nicht sehr viele."
„Der Meilhaucr hat ja auch einen Fuß gebrochen."
„Freilich, weil er sich nicht wahrt; eine Buche hat ihn gestreift."
„Im Thaugrunde war's?"
„Im Thaugrunde."
„Ihr kommt ja jetzt öfter in den Haslung hinunter, ist cs wahr,daß sie das Gehäng reuten?"
„Lauter Felder, seit sie sich los gekauft haben."
„Und in den drübigen Hofmarten mähen sie schon Heu?"
„Es ist kein Halm mehr auf den Wiesen."
„Das ist ein gesegnetes, schönes Jahr. Wenn uns der Herr nochweiter hinaus behütet, und das Verheißene gut einbringen läßt, daunkann sich mancher helfen. — Wollt Ihr Euch denn nicht ein wenig aufdas Sitzbctte niederlafsen, Doctor?"
Nach diesen Worten nöthigte er mich auf das Sitzbette, das er vordem Tische hat, und setzte sich zu mir. Nachdem er die Falten an demTeppiche gleich gestrichen, und die Brosamen herabgestreift hatte, sagteer plötzlich : „Das ist recht schön, Doctor, daß Ihr gekommen seid, und