Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
12
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kel, das war nun klar, und was darinnen lag, war Wust. In der brau-nen Stube standen die alten Dinge in der Ordnung, wie ich sie einstenshingestellt hatte, oder eigentlich, sie hingen kaum mehr an den Wändenherum. Das einzige Schreibgerüste stand noch dicht und fest mit allenseinen Zicrrathengcländern und Fröschen da, ein wahres Kunstwerk inuralter Eichenschnitzcrei Die Mutter gab cs mir auf meine Bitte gernezum Hochzeitsgeschenke. All das Andere aber waren gewöhnliche Trüm-mer und Reste; die Fugen klafften, das Licht schien durch sie, der Holz-wurm hatte die Balken angebohrt und der Staub rieselte heimlich inseine Gänge. Als ich weiter durch das Haus wandelte, war hier eineHolztreppe weggenommen, dort eine andere aufgestellt ein Geländerwar hier herabgebrochen, dort eines befestiget worden das Brunnen-wasser rann in eine neue Kufe, die Gartenbeete waren in einer anderenRichtung, verschiedene Dinge standen darauf, und der graue Baum wargar nicht mehr da in der Holzlaubc war manches anders, aber hintenstanden genau noch die alten Stangen und staken die alten Strohbünde:aber ein schwermüthig klares Licht der Gegenwart lag aus allen Dingen,und sie blickten mich an, als hätten sie die Jahre meiner Kindheit ver-gessen. So verging Woche um Woche in den neuen erst wieder be-kannt werdenden Räumen. Aber eines Tages, da eben ein grauer sanfterLandregen die Berge und Wälder verhing, verschaffte mir das Haus et-was, das ich nicht suchte, und das mich sehr freute, weil cs mir gleichsamdas ganze versunkene aufgehobene Märchen darin gab.

Mütterlein, Gattin und Schwester saßen im Hofstübchen, und ver-plauderten die Zeit, weil draußen Straße und Garten in Wasser schwam-men ; ich, gleichsam aus einem alten Zuge der Kindheit, der gerne dassanfte Pochen des Regens auf Schindeldächer» hörte, war fast bis aufLe» äußersten Boden emporgestiegen und geriet!) auch in den Gang zwi-schen Schüttboden und Dach. Da stand noch die goldglänzende heiligeMargaretha auf demselben Platze, auf dem sie vor so vielen Jahren ge-standen war. Eine Menge weggeworsener Sachen lag, wie einst, um sieherum. Jetzt fürchtete ich den düsteren Geldschein nicht mehr, sondern ichholte die Gestalt hervor, um sie z» bewachten. Es war ein sehr altes gutvergoldetes hölzernes Standbild, halb lebensgroß, aber in dem Laufeder Zeiten war es bereits vielfach abgerieben und zcrschlcift worden. Ichdachte mir, daß es etwa von einer eingegangenen Feldkapelle unserer Be-