Druckschrift 
2 (1855)
Entstehung
Seite
11
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Stube mit ihnen ein, und stand dabei, wie der sanfte schwermüthigeHerbstglanz der Sonne so an ihnen hin streichelte und sie beleuchtete.Allein ich mußte wieder in die Abtei, und wie die Zeit der dort festge-setzten Studien vergangen war, kam ich gar in die große ferne Stadt.

Nun erschienen harte Jahre, die Bestrebungen des Mannes kamen,und verdeckten wie mit Nebel das fcrnabliegende Land der Kindheit.Biele Dinge wurden erstrebt und gelitten, und da endlich die Zeit einge-treten war, in der der Mensch die Sehnsucht hat, den sachte vorgehendenLebensstrom in holden Kindern wieder aufquellcn zu sehen, mochte cs einliebes Weib mit meinem Herzen wagen, und wir traten vor den Altarder Ehe. Dieses Ercigniß führte mich wieder in mein Kindheitslandzurück. Da nämlich Müitcrlcin zu Hause sehr betrübt war, daß sie we-gen Kränklichkeit nicht kommen konnte, die Brautkrone siechten zu helfen,und den heiligen Kirchengang zu sehen, beschlossen wir, um ihr Ersatz zugeben, die ersten Tage unseres neuen Standes in der Heimat zuzubrin-gen. Wir packten auf, Wälder, Berge gingen an uns vorüber, und einesschönen Svmmcrtages kamen wir in dem längst verlassenen Hause an.

Mültcrlein war ein altes Weib geworden, die neuen schönen Ge-räthe, die zu meiner Studienzeit gekommen waren, waren jetzt auch altund verschossen; keine Großeltern gingen mehr im Hause herum , aberdafür spielten die kleinen Kinder der Schwester, die selbst ein Kind gewe-sen, da ich fort ging, an der Stelle, wo wir einst gespielt hatten nurdie Liebe und Güte ist jung geblieben. Mit dem gewohnten Sonnen-scheine der Freundlichkeit in den verfallenen Zügen, mit den gewohntenguten Augen nahm die Mutter jetzt die junge blühende Tochter an, ver-ehrte sie und that ihr Gutes. Es kamen Tage, die einzig unvergeßlichsind, Tage unter Menschen desselben Herzens, und derselben unverfälsch-ten Liebe. Ich führte meine Gattin durch alle Wälder meiner Kindheit,ich führte sie an rauschende Bäche und an ragende Klippen, aber ichführte sie auch durch die schönen Wiesen, und durch die wogenden Felder.Hier ging Mütterlein mit, und zeigte der fremden Tochter, was von allden Dingen unser sei, und was eben darauf wachse.

Alles war so herrlich und prangend, wie sonst, ja es war nochprachtvoller und ernster, als ich es einst begreifen konnte. Nur das Hauswar kleiner geworden, die Fenster niedriger und die Stuben gedrückt.Alles, was sonst unendlich war, die dunklen Gänge, die gähnenden Win-