eitern standen und stehen. Wenn die Gebeine eines Gewesenen schonverkommen sind, oder zerstreut in einem Winkel und im Grase des Kirch-hofes liegen, stehen noch seine bleichenden Schreine in der alten Woh-nung, sind zuletzt die beiseite gesetzten ältesten Dinge, und werden sowieder die Gespiele» der jüngsten, der Kinder.
Es ist etwas Rührendes in diesen stummen unklaren Erzählern derunbekannten Geschichte eines solchen Hauses. Welches Wehe und welcheFreude liegt doch in dieser ungelesenen Geschichte begraben, und bleibtbegraben. Das blondgelockte Kind und die neugeborne Fliege, die da-neben im Svnnengolde spielt, sind die letzten Glieder einer langen unbe-kannten Kette, aber auch die ersten einer vielleicht noch länger», noch un-bekannteren ; und doch ist diese Reihe eine der Verwandtschaft und Liebe,und wie einsam steht der Einzelne mitten in dieser Reihe! Wenn ihmalso ein blassend Bild, eine Trümmer, ein Stäubchen von denen erzählt,die vor ihm gewesen, dann ist er um viel weniger einsam. Und wie be-deutungslos ist diese Geschichte; sie geht nur zum Großvater oder Ur-großvater zurück, und erzählt oft nichts als Kindtausen, Hochzeiten, Be-gräbnisse, Versorgung der Nachkommen — aber welch ein unfaßbaresMaß von Liebe und Schmerz liegt in dieser Bedeutungslosigkeit! In derander», großen Geschichte vermag auch nicht mehr zu liegen, ja sie istsogar nur das entfärbte Gesammtbild dieser kleine», in welchem man dieLiebe ansgelassen, und das Blutvergießen ausgezeichnet hat. Allein dergroße goldene Strom der Liebe, der in den Jahrtausenden bis zu unsherab geronnen, durch die unzählbaren Mutterherzcn, durch Bräute, Vä-ter, Geschwister, Freunde, ist die Regel, und seine Aufmerkung ward ver-gessen ; das andere, der Haß, ist die Ausnahme, und ist in tausend Bü-chern ausgeschrieben worden.
Da der Vater noch lebte, durste von des Doetors Habschaften nichtsverrückt werden, da er ihn hoch verehrte und fast ausschließlich immer ineinem ledernen Handschriftenbnche desselben las, welches Buch aber spä-ter ganz abhanden gekommen war. In jener Zeit stand der alte Haus-rath noch wie eine eherne Chronik umher; wir Kinder lebten uns hinein,wie in ein verjährtes Bilderbuch, dazu der Großvater die Auslegungwußte, und erzählte, er, der der eigentlichste lebendigste Lebensbeschreiberseines Vaters des Doetors war.