Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

325

Erst im Sternenscheine ging Hanns fort, und begab sich zu denLeuten, wo seine Schwester war, und wo er eine Lagerstätte hatte; dennsei» Bater und seine Mutter waren längstens gestorben.

Daß Hanns aber an Hanna etwas verwendete, schien ihm gar nichtleid zu thun. Wenn er mit ihr bei einem Tanze oder bei sonst einer Ge-legenheit war, wo sie Viele scheu konnte», und wenn nun der eine oderandere junge Mann mit seinen Augen schier nicht von ihr lassen konnte,und stundenlang sie mit denselben gleichsam verschlang, so hatte Hannsseine außerordentliche Freude darüber und triumphirte. Wenn sic spätmit einander nach Hause gingen, wo die einsame Wachhvldcrstaudc stand,oder der graue verschwiegene Stein des Brnnnberges lag, da schlang sieihren Arm um seinen Nacken, drückte ihn heiß an sich, sah ihn an undflüsterte gute Worte. Daß da eine außerordentliche unheimliche Seligkeitin ihm war, bewies der Umstand, daß er ihr von seinen HabseligkcitenAlles, Alles gab.

Am andern Tage, wenn er so einen Feiertag bei ihr zugebrachthatte, sah man ihn dann wieder in frischen Linnenkleidcrn, die Llgt oderdie Keile auf der Schulter tragend, durch die Felder schreiten und seinemWalde zueilcn.

Einmal fragte ihn Hanna, um was er denn am ersten Beichttagedie heilige Jungfrau Maria gebeten habe.

Ich habe um nichts gebeten," antwortete er,Du weißt ja, daßich nicht oft zu ihr in ihr Kirchlein hinauf komme, weil ich nicht Zeithabe; aber von ferne und von dem Walde aus, wo er eine Lücke hat,sehe ich das weiße Kirchlein sehr gerne, weil von ihm nach abwärts dieWachholderstaudcn anfangcn, dann die Föhren der Pichlcrncr Weide ste-hen, und noch weiter unten das Häuschen ist, in dem Du bist."

Du solltest aber doch gebeten haben," sagte Hanna;denn sie istsehr wunderthätig und stark, und was man am ersten Beichttage mit In-brunst und Andacht verlangt, das muß in Erfüllung gehen, cs gescheheauch, was da wolle."

Das habe ich ja gar nicht gewußt," sagte Hanns,cs hat cs mirdamals Niemand gesagt, und wenn ich es auch gewußt hätte, so hätteich sie doch gewiß um nichts gebeten, weil mir nichts gefehlt hat.Meinst Du denn im Ernste, daß sic etwas thun kann, um was man sierecht bittet?"