Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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Ich ging auf meine Zimmer, und dachte über diese Begebenheit nach.

In einer Weile kam Alfred herauf. Er war sehr freundlich, er warsehr ruhig, aber auch sehr ernst. Er sagte, nachdem er sich zu mir gesetzthatte: „Sic werden wohl schon Alles wissen. Ich habe zuerst um dieEinwilligung der Eltern nachgesucht, und hätte dann das Mädchen uniihr Jawort gebeten. Bei dieser Familie wäre cs unwürdig gewesen,hinter dem Rücken zu werben. Ich war Anfangs der Meinung, mausolle es Maria nicht gleich sagen, sondern sie darauf vorberciteu; aberdie Mutter machte dagegen gelten, daß man keine Zeit vor ihr ein Ge-heimniß haben könne, da von ihr allein die Entscheidung abhänge, unddie Sache ihr Eigenthnm sei. Das sah ich ein und willigte in alsogleichcKundgebung. Die Würfel sind gegen meine Wünsche gefallen. Aber wiecs auch sei, ich werde diese Familie immer lieben und ehren. Es ist Allesin größter Freundschaft und Ordnung vorgefalleu, und das Haus, dasmir so lieb und theuer geworden ist, wird auch in Zukunft meine Freudeund meine Erholung sei»."

Nach diesen Worten redete er von meiner Reise, fragte, wohin siejetzt unmittelbar gerichtet sei, was ich dann vvrhabe, wie lange sic dauernwerde, und ob ich dann zu Hause zu bleiben gesonnen sei. Er bat michauch, ihn vor meiner Abreise noch einmal zu besuchen, und ihm vielleichtauch von irgend woher einen Brief zu senden. Ich versprach Beides.

Alfred blieb bei dem Mittagsessen. Die Gespräche waren herzlichund gut, ja es schien mir, als sei man noch zarter und gemüthsreichcrals sonst.

Eine Zeit nach dein Essen nahm Alfred Abschied. Er war zu Fußeherauf gekommen, und wollte auch zu Fuße wieder hinab gehen. Alsman sich unter dem großen Thore trennte, sagte er: „Wenn ich wiederkomme, werde ich die Aurikelsamen und einen Theil der neuen Zwiebelmitbringen."

Als ich am Nachmittage durch das Kastanienwäldchcn ging, undgegen ein Gebüsch bog, das ziemlich dicht war, sah ich Maria vor dem-selben stehen und in die Zweige hinein schauen. Sie hatte die Hände ineinander geschlagen und hielt sie gesenkt so vor sich hin. Das Gebüschbestand aus wilden Rosen und Flieder, es war ziemlich weit von demHause entfernt, hatte für den Gartengcbrauch keinen Werth, und warvon uns sonst nicht beachtet und besucht worden.