Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
271
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Augen sanfter schauen, als in der Kindheit, so ist das schon die Wirkungder Wesenheit solcher Menschen, die ein tieferes iiineres Leben leben, alsandere, wodurch es geschieht, daß das äußere leidet. Auch haben jaMädchen in ihren Jahre» noch allerlei andere Gefühle, die sie beunruhi-gen, und die wir im Alter wohl belächeln,"

Ich konnte bei diesen Aeußerungen einen tiefen Blick in das Innereder Familie thun, der mir manches enthüllte; aber ich konnte die Fort-setzung des Gespräches, und was der Vater auf die Worte der Muttergesagt haben würde, nicht mehr erfahren; denn die angefangene Redeward durch den Gegenstand derselben, durch die Mädchen, unterbrochen,welche auf dem Sandwege gegen uns heran kamen.

Sie gingen Arm in Arm, Sie waren beide ganz gleich gekleidet.Jede hatte eine» breiten Svmmerstrohhut auf, dessen grüne Bänder ander Wange nieder ginge»; jede hatte ein Sommerkleid von roher Seidean, nur daß cs bei Maria um ein Merkliches Kürzer war, als bei Ca-milla; und jede hatte endlich ein blaues Seidentüchlein um den Busen.Der einzige Unterschied war, daß Camilla eine» Sonnenschirm hatte,den Maria nie trug.

Als sie herzu gekommen waren, und so vor uns standen, konnte ichdie Wahrheit oder Unwahrheit von Rikar's Ausspruche beobachten. Werdie Schwestern mit oberflächlichem Blicke angeschaut Hütte, würde sic fürZwillinge gehalten haben, und doch konnte cs nichts Ungleicheres geben.Camilla hatte sanfte weichgebildete Wangen, die von dem Strohhuteüberschattet wurden ; die lichte zarte Farbe derselben war von einem leich-ten Hauche von Roth überflogen; das Sommertuch deckte de» schlankenkeusche» Busen; und die lange Wimper hüllte sich über große Augcn, inwelchen wirklich, wie in einem Spiegel, Schwärmerei, wo nicht garSchwermuth und Leiden lag, Maria hatte dieselben Wangen, nur schie-nen sie fester gebildet, und die Ucberschattung durch den Strohhut konnteweniger bemerkt werden, weil sie ohnedem durch den Sonnenstrahl, demsie immer ausgesetzt waren, gebräunt erschienen; das Sommertuch saßknapp und dicht über dem Herzen; und aus denselben großen spiegelndenAugcn, wie sie Camilla hatte, sah der Glanz der Ruhe oder der der Zu-friedenheit und Ehrlichkeit.

Das Gespräch der Ehegatten, welches für mich so bedeutsam werdenwollte, war also unterbrochen, und es begann ein anderes mit den An-