Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
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„Es scheint Euch sehr gut gegangen zu sein, seit wir uns damalsin Wien trennten," sagte er, „Ihr seht vortrefflich aus, und seid einsehr stattlicher junger Mann geworden/'

Ich konnte von ihm zwar nicht ganz dasselbe sagen, er kam mirnoch magerer vor, aber cs schien doch eine gewisse Heiterkeit und Fröh-lichkeit in ihm zu sei».

„Ja," antwortete ich, „es ist mir in der letzten Zeit sehr wohl ge-worden, und ich glaube, daß ich nun für die ganze Dauer meines Lebensgesichert bin."

Er lehnte sich auf den Tisch, sah mich mit treuherzigen Auge» an,und sagte: „Das freut mich sehr, cs kann gewiß Niemanden geben, denes so freut, als wie mich."

„Und wie habt denn Ihr seit der Zeit gelebt, seit der wir uns nichtgesehen haben?" fragte ich ihn.

„Ich bin nicht mehr krank gewesen, seit ich jenes Nebel in der Drei-faltigkeit ausgestanden hatte," antwortete er, „ich lebe vergnügt, undwarte allgemach auf meinen Tod, der bei alten Leuten nicht lange aus-bleiben kann."

„Wird noch lange lange ausblciben, lieber Freund! " sagte ich.

„Nun, wie cs ist, und wie cs Gott will," antwortete er.

Da wir also gerade auf die Weise bei einander saßen, wie wir esan so manchem Abende in Wien gcthan hatten, so dachte ich, ich könnteihm erzähle», was mir bisher im Allgemeinen begegnet sei, und könntedabei etwas von meinem Plane mit ihm leise einflicßcn lassen. Ich sagtedaher zu ihm : „Ich bin noch immer unverheirathet, es hat sich eben nichtgemacht. Bon den vielen seltsamen und abenteuerlichen Planen, mitdenen ich Euch oft in früherer Zeit unterhalten habe, habe ich die mei-sten, ja ich kann sagen, alle aufgcgcben, und bin jetzt nichts mehr nndnichts weniger, als ein einfacher Landwirts. Eine alte Muhme, die sichim Leben nicht um mich bekümmert hatte, hatte im Tode recht gut fürmich gesorgt, und mir ein sehr schönes Anwesen hinterlasscn. Es liegenliebliche Fluren um dasselbe herum, in einiger Entfernung davon stei-gen Wälder auf, und hinter ihnen sieht man das Blau der Hochgebirgehervor blicken. Das liebe ich nun, bin gerne dort, und hätte nie ge-glaubt, daß diese Dinge einen solchen Zauber ausübcn könnten. Als ichdas neue Besitzthum antrat, fing ich gleich an, in demselben herum zu