ewige Betrachten des Getreidewachsens versetzt batte, milderte sich, nnderfüllte sich nach und nach mit den Mosaikstücken grüner Berge, weißerStädte, leuchtender Landhäuser, und vermannigfaltigte sich durch die tau-send fremder Angesichter, die mir begegneten, fremder Trachten, die ichsah, und durch das fröhliche und seltsame Gewimmel, das die unzähligenMenschen dieser Erde treiben müssen, um dem Tage das Leben abzuge-winnen, und dieses Leben dann doch wieder in der Schnelle zu vergeuden.
Es ist ein großer sonderbarer Anblick, dieses merkwürdige Geschlechtim Ganzen zu überschauen — wie es sich immer und immer geänderthat, und immer zu größerer Vollkommenheit zu gehen vermeinte. Wiemag es in den Millionen künftiger Jahre sein, wobin unser befangenerBlick nicht zu dringen vermag — wer kann cs wissen? Wenn man mitseinem Fühlen und Denken außer der Gegenwart steht, nnd von ihr nichtfortgerissen wird, so hastet alles in Unruhe, in Begehren nnd in Leiden-schaft vorüber — manches schöne edle Herz lächelt uns an, daß ma» es
liebt, und an sich drücken möchte; aber es geht auch vorüber:-
wenn man dann die Natur betrachtet, wie die Geselligkeit der Pflanzenüber alle Berge dahin liegt, wie die Wolke» ziehen, wie das Wasserrieselt, und das Licht schimmert — welch ein Treiben jenes, welch einBleiben dieses! Durch die Natur wird das Herz des Menschen gemildertund gcsänftigt, durch das Wogen der Völker, sobald man einen tieferenGeist hinein zu legen vermag, wird es begeistert und erhoben. Da ichimmer ein Einzelner war, der nicht hatte, was er lieben oder hassenkonnte, lernte ich die Menschen in der Weltgeschichte kennen. Da warensic anders, als sie sich immer in der nächstberührenden Welle geltendmachen möchten. Was die Gegenwart oft als ihr Höchstes und Heiligsteshielt, das war das Vorübergehende: was sic nicht beachtete, die innereRechtschaffenheit, die Gerechtigkeit gegen Freund und Feind, das wardas Bleibende. Was ein Redner, von dem bloßen Theile eines Ganzenergriffen, seinen Zeitgenossen heftig Predigte, ist in den folgenden Ge-schlcchtsräumen anders, weit anders gekommen.
Mit diesen Gedanken fuhr ich die Straße des schönen Tirols hinan,und ließ diese Berge und Lasten auf mich cinwirken, zwischen denen dieMenschen herum gehen, und wie überall, während sie wähnen, nur fürdie nächsten Bedürfnisse zu sorgen, den Bau der Zukunft aufbauen. Und
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