Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
135
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drehte cs langsam zwischen den Fingern und ergötzte sich an dem Funkelndes Goldknopfes in der dunkeln, ruhigen, einsamen Luft. Nach einerWeile kam er zu verstümmelten Stämmen, von denen Pech herab rann.Er hatte das nie gesehen und blieb stehen. Die durchsichtige Flüssigkeitquoll in der Sonne aus der Rinde hervor, und die Tropfen standen, wiereines geschmolzenes Gold, das in einem Häutchen hing. Dann ging erwieder weiter. Es begegnete ihm eine Schaar wundervoll blauen En-zians, er sah sie an, und pflückte sogar einige Stämmchcn.

Endlich war er schier an das Ende seines auserkorenen Spazicr-platzes gekommen. Das Waldwerk, welches er von Weitem als Schlußgesehen hatte, bestand in mehreren ziemlich weit von einander entferntenBäumen. Tiburius blieb ein wenig stehen, um cs anzuschen und zuüberlegen, ob er hinein gehen solle, oder nicht. — Eidechsen schlüpftenim Mittagsglanzc, ein Wässertem ging ungehört gegen die Tannen, undzwischen den Stämmen spannen lustige glänzende Herbstfädcn, wie sieHerr Tiburius auch öfter zu Hause in dem Garten gesehen hatte. Ehe erda weiter ging, mußte er doch noch erforschen, was denn das für ein selt-samer Reif sei, der dort auf den entfernten Tannennadel» liege, und wiedie Wolke aussehe, die weit draußen zwischen dem Grün der Bäume her-ein schaue, ob sie nicht etwa Siegen drohe. Er nahm sein Taschenfernrohrheraus, machte cs zusammen, und sah durch. Aber der Reif war nur derunsägliche Sonnenglanz, der auf der glatten Seite der Nadeln lag, unddie Wolke war ein entfernter Berg, wie sie hier im Lande in einer großenAusdehnung einer hinter dein andern stehen. Er beschloß also weiter zugehen, insbesondere, da die Steinwand noch immer fortlief und Anfangsnur eine und dann nur einige Buchen zwischen ihm und ihr waren. Auchging ein sehr wohl ausgetretener schwarzer Pfad in die Bäume hinein.Tiburius mußte, als er diesen Pfad betrat, an den kleinen närrischenDoctor denken, der sich aus verschiedenen Stoffen diese Erde für seineRhododendern und Eriken brennen muß, wie sie hier von selber liegt;und Eriken sah er hier unter den Stämmen viel schöner blühen, als sieder Doctor in seinen Töpfen erziehe. Er nahm sich vor, wenn er nachHause käme, ihm von dieser Thatsache zu erzählen.

Tiburius ging auf dem Pfade fort, der von allerlei Dingen einge-faßt war. Manchmal lag die Moosbeere wie eine rothe Koralle nebenihm, manchmal streckten die Preißelbeeren ihr Kraut empor und hielten