Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
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Heirathen mußt Du eben nicht auf der Stell?, aber jung mußtDu heirathen. Ich werde Dir das zeigen. Jeder ist um sein selbst wil-len da. Das sagen wohl nicht alle, aber sie handeln alle so. Und die csnicht sagen, deren Handlungen sind oft desto ungeschlachter selbstsüchtig.Das wissen die auch recht gut, die sich dem Amte widmen: denn dasAmt ist ihnen der Acker, welcher Früchte geben soll. Jeder ist seiner selbstwillen da; aber nicht Jeder kann cs machen, daß er da ist, und mancherstreckt sein Leben für etwas dahin, das weniger ist, als sieben Pfennige.Der Mann, der zu Deinem Schutze ausgestellt ist, meinte gut zu sorgen,wenn er bei Zeiten Dein junges Blut cinpferche, ganz allein dazu, damitDu immer satt zu essen und zu trinken habest; das Weib in ihrer klei-nen Gutherzigkeit darbte ein Sümmchen zusammen, ich weiß sogar genauwie groß es ist, ein Sümmchen, wofür Du Dir auf einige Zeit Strümpfeanschaffen kannst. Sie hat cs wohl gut gemeint, wohl am besten; dennsie ist in ihrem Willen vortrefflich. Aber was soll das alles?-Je-

der ist um sei» selbst willen da, aber nur dann ist er da, wenn alleKräfte, die ihm bcschicdcn worden sind, in Arbeit und Thätigkeit gesetztwerden denn das ist Leben und Genuß und wenn er daher diesesLeben ausschöpft bis zum Grunde. Und sobald er so stark ist, seinenKräften allen, den großen und kleinen, nur allen, diesen Spielraum zugewinnen, so ist er auch für andere am besten da, wie er nur immer dazu sein vermochte, wie cs ja gar nicht anders sein kann, als daß wir aufdie wirken, die rings um uns gegeben sind; denn Mitleid, Antheil, Hülf-reichigkeit sind ja auch Kräfte, die ihre Thätigkeit verlangen. Ich sageDir sogar, daß die Hingabe seiner selbst für andere selber in den Tod wen» ich de» Ausdruck gebrauchen darf, gerade nichts anders ist, alsdas stärkste Aufplatzen der Blume des eigenen Lebens. Wer aber in sei-ner Armuth nur eine Lebenskraft cinspannt, um nur eine einzige For-derung zu stillen, etwa gar die des Hungers, der ist für sich selber ineiner einseitigen und kläglichen Verrückung, und er verdirbt die, die umihn sind. O Victor, kennst Du das Leben? kennst Du das Ding, dasman Alter heißt? "

Wie sollte ich, Oheim, da ich noch so jung bin? "

Ja Du kennst es nicht und Du kannst es auch nicht kennen. DasLeben ist unermeßlich lange, so lange man noch jung ist. Man meintimmer, noch recht viel vor sich zu haben , und erst einen kurzen Weg ge-