mehr als zwanzigmal, seit ich hier bin, in der Hul und in Attmaningdraußen gewesen ist."
„Ich wußte cs wohl," antwortete der Oheim, „aber Du kannstgar keine Antwort erhalten."
„Warum denn nicht?"
„Weil ich cs so eingerichtet, und mit ihnen verabredet habe, daß sieDir, so lange Du hier bist, nicht schreiben. Sie sind im Nebligen, wennDu bekümmert sein solltest, alle wohl und gesund."
„Das ist nicht gut, Oheim, daß Ihr das gethan habt," sagte Victorergriffen, „die Worte, welche mir meine Ziehmutter in einem Briefe ge-schickt hätte, hätte ich sehr gerne empfangen."
„Siehst Du, wie Du das alte Weib liebst," sagte der Oheim, „ichhabe cs immer gedacht! "
„Wenn Ihr Jemanden liebtet, so würde Euch wieder Jemand lie-ben," antwortete Victor.
„Dich hätte ich geliebt," schrie der Greis heraus, daß Victor fasterzitterte. Es war ciuige Augenblicke Stille.
„Und der alte Christoph liebt mich," fuhr er fort, „und vielleichtauch die alte Magd."
„Was schweigst Du denn?" sagte er nach einiger Zeit zu demJünglinge — „wie sicht es denn mit der Gegenliebe aus? nun so redeeinmal."
Victor schwieg und wußte kein einziges Wort heraus zu bringen.
„Siehst Du," sagte der Greis wieder, „ich habe cs ja gewußt. Seinur ruhig, es ist alles gut, cs ist schon gut. Du willst fort, und ichwerde Dir ein Schiff geben, daß Du fort kannst. — So lange wirst Dudoch warten, bis der Regen vorüber ist?"
„So lange und noch länger, wenn Ihr Ernstliches mit mir zu redenhabt," sagte der Jüngling, „aber das werdet Ihr doch erkennen müssen,daß keine bloße bittere Willkühr einen Menschen binden könne. Es istdoch seltsam, wenn man das geringste Wort dafür wählen soll, daß Ihrmich Anfangs auf dieser Insel gefangen hieltet, auf die Ihr mich zuvorgerufen habt, und auf die ich im Vertrauen kam, weil Ihr es verlangtet,und weil der Vormund und die Mutter mir es an's Herz legten. Fernerist es seltsam, daß Ihr mich von den Briefen meiner Mutter abschncidet,