Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
89
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Sic waren aus der Ursachc dieses Gewitters etwas länger bei dem Tischesitzen geblieben.

Victor antwortete auf die Rede gar nichts, sondern horchte, wasferner kommen würde.

Es ist zuletzt doch alles vergeblich," hob der Oheim wieder mitlangsamer Stimme an,cs ist doch vergeblich Jugend und Alter tau-gen nicht zusammen. Siehe, Du bist gut genug, Du bist fest und auf-richtig, und bist mehr, als Dein Vater in diesen Jahren war. Ich habeDich die Zeit her beobachtet und man dürfte vielleicht auf Dich bauen.Du hast einen Körper, den die natürliche Kraft stark und schön gemachthat, und Du übst gerne die Kraft, sei es, daß Du unter den Felsen her-um gehst, oder in der Luft wanderst, oder i» dem Wasser schwimmst-

aber was hilft das Alles? Es ist für mich ein Gut, das weit, ja sehrweit jenseits aller Räume liegt. Mir sagte schon immer die heimlicheStimme: du wirst es nicht erreichen, daß sein Auge auf dich schaut, duwirst das Gut seines Herzens nicht erlange», weil du es nicht gcsäet undgepflanzt hast. Ich erkenne, daß cs so ist. Die Jahre, die da zu nützengewesen wären, sind nun vorüber, sie neigen jenseits der Berge hinunter,und keine Gewalt kann sie auf die erste Seite herüber zerren, auf der nunschon die kalten Schatten sind. Darum gehe nur zu dem alten Weibe,von dem Du kaum mehr einen Brief erwarten kannst gehe hin undsei dort heiter und freudig."

Victor war im äußersten Maße betroffen. Der Greis saß gerade so,daß die Blitze in sein Antlitz leuchteten, und manchmal war es in deindämmrigen Zimmer, als ob das Feuer durch die grauen Haare des Man-nes flöße und ein rieselndes Licht über seine verwitterten Züge ginge.War dem Jünglinge früher das inhaltlose Schweigen und die todteGleichgültigkeit an dem Manne öde und bekümmernd gewesen, so war ernun durch diese Aufregung um so ergriffener. Der Alte hatte seinen lan-gen Körper in dem Lehnstuhle aufgerichtet, und er zeigte fast tiefe Bewe-gung. Eine Weile antwortete der Jüngling nichts auf die Rede desOheimS, die er mehr ahnte, als verstand. Dann aber sagte er:Ihrhabt von Briefen geredet, Oheim; ich bekenne aufrichtig, daß es michschon sehr unruhig gemacht, daß ich auf die mehreren Briefe, die ich nachHause sandte, noch immer keine Antwort habe, obwohl Christoph schon