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„Die Zeit bis zur Ucbernahme Deines Amtes dauert ja noch übersechs Wochen," antwortete der Oheim.
„Nicht mehr so lange, Oheim," sagte Victor, „nur noch fünf unddreißig Tage. Ich mochte aber noch einige Zeit, bevor ich in das Amttrete, in meinem zukünftigen Aufenthaltsorte zubringcn, und möchte deß-halb morgen abreisen."
„Ich entlasse Dich aber nicht."
„Wenn ich Euch darum bitte, und wenn ich Euch ersuche, michmorgen oder, wie es Euch gefällig ist, übermorgen in die Hul hinüberführen zu lasse», so werdet Ihr mich entlassen," sagte Victor bestimmt.
„Ich entlasse Dich erst an dem Tage, an dein Du nothwcndig ab-reisen mußt, um zu rechter Zeit bei Deinem Amte cintreffen zu können,"erwicdcrte hierauf der Oheim.
„Das könnt Ihr ja nicht," sagte Victor.
„Ich kann es wohl," antwortete der Oheim; „denn die ganze Be-sitzung ist mit einer starken Mauer umfangen, die noch von den Mönchenhcrrührt, die Mauer hat das Eisengittcr zum Ausgange, das Niemandanderer als ich zu öffnen versteht, und der Sec, welcher die fernereGrenze macht, hat ein so steiles Felsenufer, daß Niemand zu dem Wasserhinunter kommen kann."
Victor, der von Kindheit an nie die kleinste Ungerechtigkeit hattedulden können, und der offenbar das Wort „können" im sittlichen Sinnegenommen hatte, wie es sein Oheim im stofflichen nahm, wurde bei denletzteren Worten im ganzen Angesichte mit der tiefsten Röthe des Un-willens übergofsen, und sagte: „Sv bi» ich ja ein Gefangener?"
„Wenn Du es so nennst, und meine Anstalten cs so fügen, so bistDu einer," entgcgnete der Oheim.
Victor's Lippen bebten nun, er konnte vor Erregung kein Wort sa-gen — dann aber rief er doch zu dem Oheime: „Nein, Oheim! das kön-nen Eure Anstalten nicht fügen, was Ihr beliebig wollt; denn ich gehean das Felsenufcr hiuvor, und stürze mich gegen den See hinunter, daßsich mein Körper zerschmettert."
„Thue das, wenn Du die Schwäche besitzest," sagte der Oheim.
Nun konnte Victor in der That keine Silbe mehr hervor bringe» —er jchwieg eine Weile und es stiegen in ihm Gedanken auf, daß er sich an