Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
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auf den Gang hinaus, um nach zu scheu. Es war in der That so: daseiserne Gitter war mit seinen Schlössern verschlossen.

Du armer Mann," dachte Victor,fürchtest Du Dich etwa vormir?"

Dann stellte er die Kerze, die er auf den Gang mit hinaus genom-men hatte, wieder ans den Tisch neben das zinnenc, verbogene Wasch-becken , und schritt gegen das große vergitterte Fenster vor.. Es warenzwei hart nebeneinander in stemme Simse gefügte Fenster. Victor sah,da das Glas geöffnet stand, durch das eiserne Gitter in die Nacht hinaus,und der Druck, der gleichsam auf seiner Seele lag, begann sich zu lösen.Es war ein blasser mit wenigen Sternen besetzter Nachthimmel, der zuihm herein blickte. Es mochte ein kleiner Ranft des wachsenden Mondeshinter dem Hause stehen; denn Victor sah das schwache Licht desselbenauf den Blättern eines Baumes glänzen, der vor dem Hause war aberdie Berge, die gegenüber standen, zeigten sich völlig lichtlos. Die imLaufe dieses letzten Tages vielfach genannte Griscl erkannte cr gleich. Sicstand wie ein flacher, schwarzer Schattenriß ans dem Silber des Himmels,bog sich niedergehend ein wenig aus, und an dem Buge stand ein Stern,wie ein niederhängendes irdisches Ordcnsstcrnlein.

Victor schaute lange hinaus.

Nach welcher Gegend hin," dachte cr,wird das Thal mcincrMut-ter sein, und wird das liebe schimmernde Häuschen zwischen den dunkelnBüschen stehen?"

Er hatte nämlich durch die vielfachen Windungen des Weges an derAsel herein, und durch die Krcuzgänge des Hauses die Richtung dcrWelt-gcgenden verloren.

Jetzt werden dort auch die Sterne nieder scheinen, der Hollunderwird stille sein, und die Wasser werden rieseln. Mutter und Hanna wer-den schlummern, oder sie sitzen noch an dem Tische, wo sie das Abend-mahl verzehrt haben, mit ihrer Arbeit, und denken an mich, oder redenwohl gar von mir."

Vor seinen jetzigen Fenstern war wohl auch ein Wasser, ein vielgrößeres, als der Bach in seinem Mutterthale, aber er konnte cs nichtsehen; denn ei» ruhiger weißer Nebel lag darauf, der oben durch einewagrechte gleichsam feste Linie abgeschnitten war.

Von der Stube, in welcher ich schlief, schaut jetzt Niemand nieder,