struppigen gcschornen Busche Stücke eines Seidenstoffes herab zu lesen,die in einem getrennten Kleide bestanden, gefärbt worden waren, undunter Tags znm Trocknen sich auf dem Busche befunden hatten. Stücknach Stück nahm sie herab, und legte sie auf ein Häufchen zusammen.Da sie nach einer Weile umblickte, sah sie Victor im Garten bei dergroßen Rosenhecke stehen.
Später sah sie ihn wieder bei der Hecke des blauen Hollunders ste-hen, der schon Knospen hatte. Der Hollunder aber war viel näher gegensic her, als die Rosenhecke. Dann ging er wieder ein wenig weiter, undendlich kam er zu ihr herzu, und sagte: „Ich will Dir etwas hinein tra-gen helfen, Hanna."
„Ach nein, Victor, ich danke Dir," antwortete sie, „cs sind ja nurein paar leichte Läppchen, die ich färbte und hier trocknen ließ."
„Hat sie Dir die Sonne den» nicht sehr ausgczogcn?"
„Nein; dieses Blau muß man in die Sonne legen, vorzüglich indie Frühlingssonne, da wird cs immer schöner."
„Nun und ist cs schön geworden?"
„Sieh her."
„2lch ich verstehe es doch nicht."
„Es ist nicht so schön geworden, wie die Bänder im vorigen Jahre,aber doch schön genug."
„Es ist sehr feine Seide."
„Sehr fein."
„Gibt cs noch feinere?"
»Ja, es gibt noch viel feinere."
„Und möchtest Du recht viele schöne seidene Kleider haben?"
„Nein; sie sind zum Festtagsgewande sehr vorzüglich; aber da mannicht viel Fcstgewand braucht, so wünsche ich nicht viel Seide. Die an-dern Kleider sind auch schön, und Seide ist immer ein stolzes Tragen."
„Ist der Scidcnwnrm nicht ein recht armes Ding?"
„Warum, Victor?"
„Weil man ihn tödten muß, um sein Gewebe zu bekommen."
„Thnt man das?"
„Ja, man siedet sein Gespinust im Wasserdunst, oder reichert cs inSchwefel, damit das Thier drinnen stirbt; denn sonst frißt es die Fädendurch, und kömmt als Schmetterling heraus."