Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
15
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geneigt; denn er hatte immer diele Freude, wenn Du Deine Prüfungengut gemacht hattest. Aber lassen wir das, zu dieser Hcirath ist cs noch

weit hin.-Dein Vater könnte jetzt auch so hoch sein, oder noch

höher; denn er hat einen gewaltigen Geist gehabt, den sie nur nicht kann-ten. Deine eigene leibliche Mutter hat ihn nicht einmal gekannt. Undgut ist er gewesen, so sehr gut, daß ich jetzt noch manchmal daran denke,wie er gar so gut gewesen ist. Deine Mutter ist auch recht lieb und

fromm gewesen, nur ist sie viel zu frühe für Dich gestorben.-Sei

nicht traurig, Victorgehe nun hinauf in Deine Stube, und bringealles in Ordnung. Die Kleider mußt Du nicht auseinander reißen, sieliegen schon so, wie sie in den Koffer passen. Sei bei dem Hineinlegcnsorgsam, daß nichts zu sehr verknittert wird. So.-Ehe Du hin-

auf gehst, Victor, höre »och eine Bitte von Deiner Ziehmutter: wennDu heute oder morgen noch mit Hanna zusammen triffst, so sage ihr eingutes Wort; es ist nicht recht gewesen, daß ihr Euch nicht immer gutvertragen habt! Sv, Victor, gehe nun; denn ein Tag ist gar nicht solange."

Der Jüngling sagte gar nichts auf diese Rede, sondern er stand auf,und ging hinaus, wie einer, dem das Herz in Wehmuth schwimmt. Undwie man oft bei innerer Bewegung in der äußern ungeschickt ist, geschahcs ihm auch, daß er die Schulter an die Fassung der Thür ansticß. DerSpitz ging mit ihm hinauf.

Oben in seiner Stube, in der er nun so viele Jahre gewohnt hatte,war cs erst recht traurig; denn nichts stand so, wie cs in den Tagen derruhig dauernden Gewohnheit gestanden war. Nur eines war »och so : dergroße Hollunderbusch, auf den seine Fenster hinaus sahen, und das rie-selnde Wasser unten, das einen feinen zitternden Lichtschein auf die Deckeseines Zimmers herauf sandte; die Berge waren noch, die sonnenhellschweigend und hütend das Thal umstehen ; und der Obstwald war noch,der im Grunde des Thales in Fülle und Dichte das Dorf umhüllt, undrecht fruchtbar und scgenbringcnd in der warmen Luft ruht, die zwischendie Berge geklemmt ist. Alles andere war anders. Die Laden und Fächerder Kästen waren heraus gerissen und leer, und ihr Inhalt lag außen aufihnen herum: die blüthcnweiße Linnenwäsche, nach Stücken geordnetdann die Kleider, rein zusammen gelegt und in gehörige Stöße abgcthcilt andere Dinge, die theils in den Koffer gepackt werden sollten, theils