7
nicht mehr unten bei den Leuten zubringcn. Ich habe cs der Mutterschon gesagt; ist es nicht so recht, Victor?"
„Freilich," entgegncte dieser, „cs ist Lei dem Tische Deines Vatersso langweilig, wenn zwischen den Speisen so viele Zeit vergeht und erdabei so viele Lehren gibt. Aber morgen, Ferdinand, ist es nicht anders,ich muß mit Tagesanbruch fort."
„Du kannst, sobald Du willst," autwortete Ferdinand, „Du weißt,daß der Hausschlüssel innen in der Thornische liegt."
Während dieses Gespräches begannen sic sich zu entkleiden und sichder lästigen, staubigen Stiefel zu entledigen. Ein Stück der Kleiderward hierhin, das andere dorthin gelegt. Ein Diener brachte Lichter,und eine Magd ein Speisebrett mit reichlicher Nahrung versehen. Sieaßen schnell und ohne Auswahl. Dann schauten sie bald bei dem einen,bald bei dem andern Fenster hinaus, gingen in dem Zimmer herum,besahen die Geschenke, die Ferdinand erst gestern bekommen hatte, zähl-ten die rothen Abcndwolken, kleideten sich vollends aus und legten sichauf ihre Betten. In denselben redeten sie noch fort; aber ehe einigeMinuten vergingen, war keiner mehr mächtig weder zu reden noch zudenken; denn sie lagen Beide in tiefem Schlafe.
Das Nämliche mochte auch mit den Andern sein, welchen dieselbeLust mit ihnen heute zu Theil geworden war.-
Während die Jünglinge diesen Tag so gefeiert hatten, war aufeiner anderen Stelle etwas anderes gewesen: Ein Greis hatte den Tagdamit zugebracht, daß er im Sonnenscheine auf der Bank vor seinemHanse gesessen war. Weit von dem grünen Baumplatze, wo die Nach-tigallen geschlagen und die Jünglinge so fröhlich gelacht hatten, lag hin-ter den glänzenden blauen Bergen, die die Aussicht des Platzes besäum-ten, eine Insel mit dem Hanse. Der Greis saß an dem Hause und zit-terte vor dem Sterben. Man hätte ihn vorher schon viele Jahre könnensitzen sehen, wenn er überhaupt gerne gingen zugelassen hätte, ihn zusehen. Weil er kein Weib gehabt hatte, saß an dem Tage keine alte Ge-fährtin neben ihm auf der Bank, so wie an allen Orten, wo er vor derErwerbung des Jnselhauses gewesen sein mag, nie eine Gattin bei ihmwar. Er hatte nie Kinder gehabt und nie eine Qual oder Freude anKindern erlebt, cs trat daher keines in den Schatten, den er von derBank auf den Sand warf. In dem Hause war es sehr schweigsam, und