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will vie Sünde, weil sie Sünde ist; niemand das Böse, wegender Vernnnftwidrigkeit desselben; niemand das Unvernünftige, derVernunft willen. Alle Sünde ist freiwillige Vcrzichtleistungauf das Bessere, auf das Wahre und Gute, um irgend eine Be-gierde, irgend einen thicrifchcn Trieb zu sättigen; ist frei-williger Hochverrat!) des Geistes gegen seine Selbstheit;ist Auslieferung seines über die Natur erhöhten Wesens in dieKnechtschaft der Natur; Sichselbstentwnrdigung zum Werkzeug derthicrischen Hülle, die sein Werkzeug sein sollte. Aber das Furcht-barste und Ekelhafteste unter allen Thicren ist das Thier mitMenschcnwitz.
Lcbcnstricbc und seelische Gefühle stehn im Allgemeinen, undursprünglich, mit den Vernunftgesetzcn nicht immer im Widerspruch.Sie werden erst widcrsprechcrisch durch ihre Verwilderung unterUeberrciz und Uebersättigung. Ihre Fülle und Stärke schwilltdurch Gewohnheit des Befriedigtwcrdens. Die Sünde kam in dieWelt, als der Mensch, die Einfalt der eignen Natur durch seinenVerstand »erkünsteln lernte und diesen zum Fürsprecher des Zerr-bildes machen. Die Unschuld ging verloren mit der Erkcnntnißdes Widerspruchs zwischen dem heiligen Sollen und der widersetz-lichen Sinnlichkeit. Da ward das Bewußtsein lässiger oder feigerDienstbarkeit, unter der Gebietcrschaft thicrischer Begierden undReizungen, zur heimlichen Sclbstverachtnng des Geistes; das Wis-sen von seiner eignen Entweihung und Entzweiung, zum quälen-den Gewissen; und das Heimweh des Allgcsallcncn nach der an-gestammten Würde und Selbstheit, zur Reue (oder Sinncsbeffe-rung). — Nur vcrunnftlose Geschöpfe sind ohne Gewissen und ken-nen die Rene nicht. Eben so kann cs der Mensch sein mit gestör-ter, ohnmächtiger Vernunft. Und diese kann allerdings gestört undohnmächtig werden, sei cs durch leibliche und seelische Erkrankun-gen, oder durch Gottlosigkeiten der Religion. Man zürne doch