Druckschrift 
2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

163

gehalten, wie beharrlich sich doch ihre Verschiedenheit dem flüch-tigsten Blick aufdringt. Man hält das Höchste im Menschen nurfür eine vollkommncre Thierseele! Aber das Seelische ist offen-bar nur Diener des geistigen Wesens, und kann durch dieses selbstveredelter werden.

Auf ähnliche Weise erscheint auch das pflanzische Leben, wennes mit dem Empfinden und Gewahren der Seele vereint ist, alsein Gehobneres, Bcredclteres. Und doch bleibt es in seiner We-senheit unwandelbar nur dasselbe, und wird unter dem Lantwcrdender Gefühle stets nach seinem eignen, ewig gleichen Gesetz thätig.Es legt keine seiner mittelbaren, oder unmittelbaren Verrichtungenznm Wachsthum, Gliedern und Fortzcugcn, zur Aneignung, Fort-bewegung, Absonderung und Wiedercrsetzung der Bcwegkräftc undStoffe, ab; Verrichtungen, die man im Allgemeinen, als Wir-kungen der Lcbcnstricbe, zn bezeichnen pflegt.

Hinwieder weicht auch das Seelische nie, wie mächtig es immer-hin vom ihm verwandten Leben (oder auch vom menschlichen Geiste),aufgeregt werde, von seinem eigcnthümlichcn Gesetzthnm ab.Denn alle Empfindungen, Gewährungen und Gefühle, erregt durchdas Leben, oder durch Außcndingc, sind nicht im Leben, nicht imFleisch und Blut, nicht in den Außendingen der übrigen Welt;sondern fic find Erregtes im Wesen der dadurch bethätigtcn Seele.Diese schwebt gleichsam über dem Leben, als Wächtcrin und Hü-terin desselben; als Warnerin desselben vor Gefahren; und wecktseine Geschäftigkeit durch Acnficrungcn der Lust oder Unlust.Was die Pflanze nicht gewähren kann, steht und hört das Thier,dessen Seelisches ans das Belebende, wie dieses ans bewegendeKräfte und Stoffe znrückwirkt, zum Ruhen, oder Ortsverändern,zum Annähcrn oder Fliehen.

Im All der unendlichen Natur und ihrer Wirksamkcitssphärenist Wesen nnd Gesetzthnm des Seelischen das unmittelbar Ver-