Druckschrift 
2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
150
Einzelbild herunterladen
 

150

gasige» Eigcnthümlichkeitcn der Ocrtcr und Gegenden herrscht un-strcitig ein allmäligcs Ncbcrgehn von einem zum andern, von denPolen bis znm Erdglcicher; eine Einheit im Mannigfaltigen, welchewir schon an dem stnfenwciscn Ucbcrgang der Thier- nnd Pflanzen-arten von den Gebieten des heißen Erdgürtels hinweg bis zn denZonen der Polarwelt erkennen. Dies, was in seiner geheimenSclbsthcit für uns unempfindbar ist, ist cs nicht für die LcbenS-reizbarkcit, oder feiner», oder uns unbekannten, Sinne mancherThicre. Es dient ihnen zu einer uns unsichtbaren, ihnen aber un-verkennbaren Wasser- oder Luftstraße auf ihren Wanderungen. Dieirrende Ameise, die wcitnmhcrschwärmendc Biene, die wcitentführtcPosttaube, findet ihr entferntes Nest wieder. Die wanderndenSchaaren der Fische, wenn sie, in der Laichzeit, die hcimathlichcnEismeere gegen südlichere vertauscht haben; die Zugvögel, wennsie zur Hcrbstzcit sich von uns ab, Würmern Himmelsgegenden zu-gewandt haben, kehren zur bestimmten Zeit dahin, ohne Verirrung,zurück, von Wannen sie ausgezogen. Die allgemeine Umstimmungder den Erdball durchdringenden und umschwebenden Atome nndBewegkräfte, deren Anderssein nnd Andcrscrrcgcn des Lebens,bei geänderter Stellung unsers Wcltkörpcrs zur Sonne, ist derZaubcrzwang, welcher jene Geschöpfe znm Konlmcn nnd Abgchnruft. Nicht bloß bevorstehender Mangel an Nahrung im Winter,nicht dessen Kälte, ruft den Zugvogel in reichere vdcr mildereWcltgcgendcn. Gcfangengchalten auch in warmen Zimmern, auchbei guter Nahrung, wird er zur Zeit des Answanderns, ohneKunde vom Rüsten seiner Gcschlechtsgenossen, unruhig, wild um-herflattcrnd, schlaflos und hinwcgstrcbcnd. Das ganze Weltall istin gegenseitigen Erregungen bewegt nnd ewig ändernd.

Ohne Einwirkung ihm verwandter Kräfte, ruht das Lebenin sich selber, ungcwcckt, thatloS, gebunden. Es kann Jahre,vielleicht Jahrhunderte lang, Samenkörnern in der Erde bciwoh-