Druckschrift 
Oberon
Entstehung
Seite
289
Einzelbild herunterladen
 

Zwölfter Gesang.

289

18 .

In süßem Irrthum steht er daUnd glaubt, doch nur zwei Augenblicke,

(So schön ist was er sieht) er sehe Rezia.

Mein, mit Recht mißtrauisch einem Glücke,

Das ihm unglaublich däucht, tritt er ihr näher, sieht,Erkennt Almansaris, und wendet sich und flieht;

Er flieht, und fühlt im Fliehn von zwei elastisch rundenMilchweißen Armen sich gefangen und umwunden.

19 .

Er kämpft den schwersten Kampf, den je seit Josephs ZeitEin Mann gekämpft, den edeln Kampf der TugendUnd Liebestreu und seuervollcn JugendMit Schönheit, Reiz und heißer Ueppigkeit.

Sein Will' ist rein von sträflichem Entzücken;

Allein, wie lange wird er ihrem süßen Flehn,

Den Küssen voller Gluth, dem zärtlich wilden DrückenAn ihren Busen, widerstehn?

20 .

O Oberon, wo ist dein Lilicnstängel,

Wo ist dein Horn in dieser Fährlichkeit?

Er ruft Amandcn, Oberon, alle EngelUnd Heilige zu Hüls' und noch zu rechter ZeitKommt Hülf' ihm zu. Denn just, da jede SehneErmatten will zu längerm Widerstehn,

Und mit wollüst'ger Wuth ihn die erhitzte SchöneFast überwältigt hat, läßt sich Almansor sehn.

is

"b

; >!