Druckschrift 
Oberon
Entstehung
Seite
251
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Zehnter Gesang.

25,1

33 .

Es sind zwölf Stunden kaum, seit eine RäuberschaarAmanden mir entriß, mir, der am ödsten StrandeAllein mit ihr und unbewaffnet war.

Sie führen sie vielleicht in diese Mohrenlande,

Nach Marok oder Fez, gewiß nach einem Platz,

Wo Hoffnung ist, sie theuer zu verkaufen:

Allein kein Harem soll mir meinen höchsten SchatzEntziehen, sollt' ich auch die ganze Welt durchlaufen.

34 .

Der Alte sinnt der Sache schweigend nach.

Die Gegend, wo ihr euch mit Rezia befunden,

Ist also wohl nur wenig StundenVon hier entfernt?" Nicht daß ich wüßte, sprachDer junge Fürst; vielleicht sind's tausend Stunden:Mich trug, unendlich schnell, ich weiß nicht wer,(Doch wohl ein Geist) ans einem Wald hierher,

Wo mich das Räubervolk an einen Baum gebunden.

35 .

Das hat, ruft jener ans, kein andrer Arm gethanAls Oberons. Ich selber, spricht der Ritter,

Ich trau' ihm's zu, und nehm's als ein Versprechen an,Er werde mehr noch thun. So bitterDie Trennung ist, so schreckenvoll das BildDes holden Weibs in wilden Räuberklauen;

Dieß neue Wunder, Freund, erfüllt

Mein neu belebtes Herz mit Hoffnung und Vertrauen.