Neunter Gesang.
233
45 .
Zn welchen neuen JainrncrscenenBereitet sie dieß grause Schauspiel vor?
Ach, rufen sie, und heben, schwer von Thränen,
Den kummervollen Blick zum heil'gen Greis empor:
„Ihm wurde dieß Gebirg in Frühlingsschmnck gekleidet,Dieß Eden ihm gepflanzt; um seinetwillen nurGenossen wir's, und Schicksal und NaturVerfolgen uns aufs neu, sobald er von uns scheidet!"
46 .
Ich bin gefaßt, ruft Rezia, und schlingtEin Ach zurück, das ihrer Brust entsteiget.
Unglückliche! der Tag, der all' dieß Unglück bringt,
Hat dir noch nicht das schrecklichste gezeigct!
Sie eilt dem Knaben zu, den sic vor kurzem, süßNoch schlummernd (wie sie glaubt), verließ;
Er ist ihr letzter Trost; des Schicksals härtsten SchlägenGeht sie getrost, mit ihm auf ihrem Arm, entgegen.
47 .
Sie fliegt dem Lager zu, wo erAn ihrer Seite lag, und, wie vom Blitz getroffen,Schwankt sie zurück — der Knab' ist weg, das Lager leer.„Hat er sich aufgerafft? Fand er die Thüre offenUnd suchte sie? O Gott! wenn er verunglückt war'?Entsetzlich! — Doch vielleicht hat um die Hütte her,
(So denkt sie zwischen Angst und Hoffen)
Vielleicht im Garten nur der Kleine sich verlosten?"