Druckschrift 
Oberon
Entstehung
Seite
206
Einzelbild herunterladen
 

20V

Oberon.

45 .

Oft schürzt sie, ohne mindsten Harm

Daß ihre zarte Haut den schönen Schmelz verliere,

Beim Wassertrog, vor ihrer Hüttenthüre,

Den schlanken schwanenweißen Arm.

Die Freud' (ihr süßer Lohn) den väterlichen AltenUnd den geliebten Mann in einem Stand zu halten,Der von dem Drückendsten der Armuth sie befreit,Veredelt, würdigt ihr des Tagwerks Niedrigkeit.

46 .

Und sieht sie dann (auch er ist jener Engel einer)

Der heil'ge Greis, der von der Arbeit kehrt,

Und segnet sie: o dann ist ihre Freude reinerUnd inniger, als würd' ihr dreimal mehr verehrtAls sie zu Bagdad ließ. Wenn dann beim SternenlichtsDie Nacht sie alle drei am Feuerherd vereint,

Und auf Amandens lieblichem Gesichte,

Das halb im Schatten steht, die Flamme wiederscheint:

47 .

Dann ruht, mit stillem liebevollenEntzückten Blick, der junge Mann auf ihr,

Und seine Seele schwillt, und süße Thränen rollenDie dunkle Wang' herab. Tief schweiget die Begier!

Sie ist ein überirdisch Wesen,

Das ihm zum Trost erscheint er ist beglückt genug,Daß er sie lieben darf, und o! in jedem Zug,

In jedem keuschen Blick, daß er geliebt ist, lesen!