Druckschrift 
Oberon
Entstehung
Seite
164
Einzelbild herunterladen
 

164

Oberon.

21 .

Der Hanptmann ruft indcß das ganze Volk zusammen,

Und spricht: Ihr seht die allgemeine Noch;

Mit jedem Pulsschlag wird von Wasser, Wind und FlammenDem guten Schiff der Untergang gedroht.

Nie sah ich solchen Sturm! Der Himmel scheint zum Tod,Vielleicht um Eines Schuld, uns alle zu verdammen;

Um eines Frevlers Schuld, zum Untergang verflucht,

Den unter uns der Blitz des Rächers sucht.

22 .

So laßt uns denn durchs Loos den Himmel fragenWas für ein Opfer er verlangt!

Ist einer unter euch, dem vor der Wage Langt?

Wo jeder sterben muß, hat keiner was zu wagen!

Er sprach's, und jedermann stimmt in den Vorschlag ein.Der Priester bringt den Kelch; man wirft die Loose drein;Rings um ihn her liegt alles auf den Knieen;

Er murmelt ein Gebet, und heißt nun jeden ziehen.

23 .

Geheimer Ahnung voll, doch mit entschloßnem Muth,

Naht Hüon sich, den zärtlichsten der BlickeAuf Rezia gesenkt, die, Lang und ohne Blut,

Gleich einem Gypsbild steht. Er zieht, und o Geschicke!O Oberon! er zieht mit frost'ger bebender HandDas Todesloos. Verstummend schaut die MengeAuf ihn; er liest, erblaßt, und ohne WiderstandErgiebt er sich in seines Schicksals Strenge.