160
Oberon.
9 .
Die Schöne, die den Mann, dem sie ihr Herz geschenkt,
So ganz verwandelt sieht, ist desto mehr verlegen,
Da sic davon sich keine Ursach' denkt.
Doch mehr, aus Zärtlichkeit, von ihrem UnvermögenIhn anfzuheitern als an ihrem Stolz gekränkt,
Setzt sie ihm Sanftmnth bloß und viel Geduld entgegen.Das Nebel nimmt indeß mit jeder Stunde zu,
Und raubet ihm und ihr bei Tag und Nacht die Ruh.
10 .
Einst um die Zeit, da schon am sternevollcn HimmelIn Thetis Schooß der funkelnde ArktnrSich senkt' — es schwieg am Bord das lärmende Getümmel,Und kaum bewegte sich, wie eine Weizcnflur,
Ans der sich Zephyr wiegt, der Ocean; die LeuteIm Schiffe, allzumal des tiefsten Schlummers Beute,Verdunsteten den Wein, der in den Adern rann,
Und selbst am Ruder nickt der sichre Steuermann;
II.
Auch Fatmc war zu ihres Fräuleins FußenEntschlummert: nur von deinem Angcnlicd,
O Hüon, nur von deinem Busen flicht,
O Rezia, der Schlaf! — Die armen Seelen büßenDer Liebe süßes Gift. Wie wühlt sein heißer BrandIn ihrem Blut! und ach! nur eine dünne WandTrennt sic; sie glauben fast einander zu berühren,
Und nicht ein Seufzer kann sich ungehört verlieren.