Druckschrift 
Oberon
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

Sechster Gesang.

153

96 .

O baß es möglich war' mich selbst zu hintcrgehen,

Spricht Gangolf; wohl dem Mann, den nur ein Argwohn plagt IIch Unglücksel'gcr hab's gesehen!

Gesehen was ich sah!Dem Himmel sci's geklagt!Ward je ein Weib unglücklicher geboren?

(Schreit die Verrätherin mit einem Thränengnß)

O daß ich diesen Schmerz noch überleben mnß!

Mein armer Mann hat den Verstand verloren!"

97 .

Und Welcher Mann von zärtlichem GenrüthVerlor' ihn nicht, trotz allen seinen Sinnen,

Der Thränengüsse ans so schönen Augen rinnenUnd eine solche Brust von Seufzern schwellen sieht?

Der Alte kann nicht länger widerstehen:

Gieb dich zufrieden, Kind, ich war zn rasch, zu warm;Verzeih' und komm herab in deines Gangolfs Arm,

Es ist nun sonnenklar, ich hatte falsch gesehen!

98 .

Da hörst du's nun! spricht zn Titania

Der Elfenfürst: was er mit Augen sah

Schwemmt eine Thräne weg! Dein Werk ist's, triumphire!

Doch hör' auch nun den heiligsten der Schwüre!

Ich glaubte mich geliebt, und fand mein Glück darin.

Es war ein Traum Dank dir, daß ich entzaubert bin!Hoff' nicht ein Thränchcn werd' auch mich umnebeln können,Von nun an müssen wir uns trennen!

^ 77