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Oberon
Entstehung
Seite
146
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Unglückliche! ist dieß für alle meine LiebeZuletzt der Lohn? Wem gab ich ganz mich hin?

Der Unschuld ersten Kuß, der Jugend erste Triebe,

Wer hatte sie? Und ach! daß ich zu zärtlich bin,

Ist mein Verbrechen nun! Ein Herz ist ihm verdächtig,Das keinen andern kennt, für ihn nur stärker schlug!Hoffärt'ger, hast du nicht an diesem Sieg genug?

Auch quälen mußt du mich? O grausam! niederträchtig!

76 .

Hier hielt sie ein, als ob der übermäßige SchmerzDie Stimm' in ihrer Brust erstickte;

Und schluchzend fiel der Greis ihr um den Hals und drückteDas treue Weib reumüthig an sein Herz.

O weine nicht, mein Liebchen, o verzeiheWas Liebe nur gefehlt! Ich wollte nicht VerdrußDir machen; o verzeih' und gieb mir einen Kuß!

Bei Gott! ich zweifle nicht an meines Röschens Treue!

77 .

So seid ihr! sprach Rosctt', indem sie seinem KußSanft sträubend sich entzog, so seid ihr Männer alle!

Erst lockt ihr uns so schmeichelnd in die Falle,

Und habt ihr uns, macht ruhiger GenußStatt frischen Bluts bei euch nur böse Galle:

Weh dann der armen Frau, die euch befried'gen muß!

Das Flämmchen selbst, das ihr so eifrig angeblasen,

Giebt euch zum Argwohn Stoff, und macht euch heimlich Nasen.