Sechster Gesang.
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72 .
Die Delila'n, die Jaeln, JesabellenUnd Bathseba'n, und wie ihr Name heißt,
Ist unvonnöthen dir im Reihen aufznstellen,
Wiewohl die Schrift sie nicht der Treue halben preist:
Doch diese Judith, die den tapfern, frommen, altenFcldmarschall Holofern erst in die Arme schlingt,
Erst liebctrnnken macht und dann ums Leben bringt,
Wer kann dabei der Thräncn sich enthalten? 1
73 .
War' aber auch der Weiber größte ZahlAn Lastern noch so reich, an Tugend noch so kahl,
Dir, meine Einz'gc, Auserwählte, ^
Dir, meines Alters Trost und meiner Augen Licht,
Dir trau' ich's zu, du bliebst getreu an deiner Pflicht,
Und fehltest nicht, wenn auch die beste fehlte.
Dein Gangolf, der so rein, so treu dich liebt,
Wird, o gewiß! von dir so grausam nie betrübt?
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Wozu, versetzt mit schuldbewußten WangenDie junge Frau, und zieht den Schwancnarm,
Womit sie um den Gürtel ihn umfangen,
Mißmuthig weg — wozu, versetzt sie rasch und warm, i
All diese Litanei? Womit, in meinem LebenHab' ich dazu Gelegenheit gegeben?
Wie? soll ich glauben, daß dein Herz an meiner TreuNur einen Augenblick zu zweifeln fähig sei?
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