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Oberon.
K9.
O sprich, mein Röschen, — hier begannDer alte Herr noch zärtlicher zu streicheln —
Doch rede frei und ohne alles Heucheln,
(Denn einer höret uns, den niemand täuschen kann)
Darf sich auch wohl dein armer blinder Mann,
Der dich so zärtlich liebt, darf sich dein Gangols schmeicheln,Daß du ihn wieder liebst? daß er dein Alles ist,
Dein ganzes Herz erfüllt, wie du sein Alles bist?
70.
Zwar freilich, wollten wir die alten Sagen schätzen,Wär' einem Mann nichts minder zu verzeihn,
Als an ein Weib sein ganzes Herz zu setzen,
Zu baun auf ihre Treu, zu trauen ihrem Schein.Längst lehrten uns, aus Tonnen und von Thronen,Der Narr Diogenes, die weisen Salomonen,
Es sei des Weibes Herz kein zuverlässig Gut,
Und ihrer List nichts gleich als ihre Wankelmnth.
71.
Nichts von den weltlichen GeschichtenZu sagen, sehn wir nicht sogar das heil'ge BuchDen Ruhm der Weibertreu von Anbeginn vernichten?
Kam auf die Menschheit nicht durchs erste Weib der Fluch?Von seinen Töchtern ward der fromme Loth betrogen;
Die Kinder Gottes selbst, schon vor der großen Fluth,Verbrannten sich, von Weibern angezogen,
Die Fittiche an ihrer strafbarn Gluth.