Das Erdbeben in Chili.
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färbtcm Glase gearbeitete Rose in der Kirche äußerstem Hintergründeglühte wie die Abendsonne selbst, die sie erleuchtete, und Stilleherrschte, da die Orgel jetzt schwieg, in der ganzen Versammlung,als hätte keiner einen Laut in der Brust. Niemals schlug aus einemchristlichen Dom eine solche Flamme der Inbrunst gen Himmel, wieheute aus dem Domiuikanerdom zu St. Jago; und keine menschlicheBrust gab wärmere Glut dazu her als Jeronimo's und Josephen« IDie Feierlichkeit fing mit einer Predigt au, die der Ältesten Chor-Herren Einer, mit dem Festschmuck angcthan, von der Kanzel hielt.Er begann gleich mit Lob, Preis und Dank, seine zitternden, vomChorhemde weit umflossenen Hände hoch gen Himmel erhebend, daßnoch Menschen seien auf diesem in Trümmer zerfallenden Theile derWelt, fähig zu Gott empor zu stammeln. Er schilderte, was ansden Wink des Allmächtigen geschehen war; das Weltgericht kannnicht entsetzlicher sein; und als er das gestrige Erdbeben gleichwohl,ans einen Riß, den der Dom erhalten hatte, hiuzcigcnd, einen bloßenVorboten davon nannte, lief ein Schauder über die ganze Versamm-lung. Hierauf kam er im Flusse priesterlicher Beredsamkeit auf daSSittcnverderbniß der Stadt; Gräuel, wie Sodom und Gemorrhasie nicht sahen, straft' er an ihr; und nur der unendlichen LangmuthGottes schrieb er es zu, daß sie noch nicht gänzlich vom Erdbodenvertilgt worden sei. Aber wie dem Dolche gleich fuhr cs durch dievon dieser Predigt schon ganz zerrissenen Herzen unserer beiden Un-glücklichen, als der Chorherr bei dieser Gelegenheit umständlich desFrevels erwähnte, der in dem Klostergarten der Karmcliteriunen ver-übt worben war; die Schonung, die er bei der Welt gefunden hatte,gottlos nannte, und in einer von Verwünschungen erfüllten Seiten-wendung die Seelen der Thäter, wörtlich genannt, allen Fürsten derHölle übergab! Donna Constanze rief, indem sie an Jeronimo's Ar-men zuckte: Don Fernando! Doch dieser antwortete so nachdrücklichund doch so heimlich, wie sich beides verbinden ließ: „Sie schweigen,H. v. Klcist's Werke. III. Vd. 12