58
Michael KohlbaaS.
ren der Prinz gedacht, hatte seinem für Freundschaft sehr empfäng-lichen Herzen die Lust benommen, den Heercszng gegen den Kohl-haas, zu welchem schon Alles vorbereitet war, auSzuführcn. Wenig-stens behielt er den Großkanzlcr Grafen Wrcdc, dessen Meinung ihmdie zweckmäßigste schien, bei sich zurück; und da dieser ihm Briefevorzeigte, ans welchen hervorging, daß der Roßhändler in der Thatschon zu einer Stärke von vierhundert Mann herangewachsen sei, jabei der allgemeinen Unzufriedenheit, die wegen der Unziemlichkeitendes Kämmerers im Lande herrschte, in kurzem ans eine doppelte unddreifache Stärke rechnen könne: so entschloß sich der Kurfürst ohneweiteren Anstand den Nath, den ihm der Doctor Luther ertheilt,anzunehmeu. Dem gemäß übergab er dem Grafen Wrcde die ganzeLeitung der Kohlhaasischen Sache; und schon nach wenigen Tagenerschien ein Plakat, das wir dem Hauptinhalt nach folgendermaßenmittheilen:
„Wir re. re. Kurfürst von Sachsen crtheilen in besonders gnädi-ger Rücksicht auf die an Uns ergangene Fürsprache des DoctorsMartin Luther dem Michael Kohlhaas, Roßhändler aus demBrandeuburgischen, unter der Bedingung, Linnen drei Tagennach Sicht die Waffen, die er ergriffen, niederznlegen, behufseiner erneuerten Untersuchung seiner Sache freies Geleit nachDresden; dergestalt zwar, daß wenn derselbe, wie nicht zu er-warten, bei dem Tribunal zu Dresden mit seiner Klage derRappen wegen abgewiesen werden sollte, gegen ihn seines eigen-mächtigen Unternehmens wegen, sich selbst Recht zu verschaffen,mit der ganzen Strenge des Gesetzes verfahren werden solle;im entgegengesetzten Fall aber ihm mit seinem ganzen HaufenGnade für Recht bewilligt, und völlige Amnestie seiner in Sach-sen ausgeübten Gewaltthätigkcitcn wegen zugestanden sein solle."
KohlhaaS hatte nicht sobald durch den Doctor Luther ein Exem-plar dieses in allen Plätzen des Landes angeschlagenen Plakats er-