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5 (1853) Mit einem vollständigen Register über alle fünf Bände
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Romantische Dichtung.

so viel Glück und Ehre begleitet sein, wie jene frühere von Schande undElend begleitet war. Wir sind nicht so prosaisch, unserem Vaterlande einezweite, große Dichtungsepoche zu mißgönnen, wir sind nicht so eingenom-men von historischer Weissagungsgabe, daß wir die Möglichkeit eineszweiten goldenen Zeitalters unbedingt absprächen. Allein nur unter zweiBedingungen, so lehrt uns jedes Blatt der Geschichte, kann man über-haupt die Blütezeit irgend einer geistigen Kultur erwarten: wenn geradedie Zeit ist, die den inneren Trieb des gegebenen Bildungszweiges zumAnsschlagen drängt, oder wenn große äußere Verhältnisse ihn begünsti-gen. Jene erste Bedingung können wir so bald nach einer Periode, dieGöthe und Schiller zusammen wirken sah, nicht wieder erwarten. WennGöthe sagte, wir hätten noch kein goldenes Zeitalter unserer Dichtunggehabt, so war es Bescheidenheit, die es ihn sagen ließ; wenn es diejunge Dichterwelt nachspricht, so ist es Unbescheidenheit und Mangel anUrtheil dazu. Allerdings hat unsere Dichtungsgeschichte nicht den blen-denden Glanz, den man in anderen Dichtnngsepochen anderer Völkerfindet; diesen Eindruck werden die Leser auch durch unsere Darstellungempfangen haben. Allein theilweisc ruht auf jenen anderen Epochen fürunS der Schimmer des Fremden und der Reiz des Alters, theilweise aberbringt es die Verstandeskultur der neuen Welt mit, daß wir von den poe-tischen Entwickelungen überhaupt nicht mehr allzu viel erwarten dürfen.Daß unsere deutsche Dichtung durch alle Hemmnisse, die wir sie über-winden sahen, nicht mehr niedergehalten wurde, daß sie den Preis überdas Vergangene gewann, und die vorletzte große Dichterzeit der Franzosenan Jugend, Feuer und ächter Empfindung so unendlich weit überbictenkonnte, das zeugt wahrlich von der Entwickelung einer ungemeinen Kraft,und war überhaupt nur in einem Volke möglich, das so lange in kind-licher Unmündigkeit gehalten wurde. Und wo wäre denn auch bei denübrigen Völkern Europa's, wenn wir etwa Italien ansnehmen, die Innig-keit des Strebens und das Aufgebot, ja die Verschwendung aller Kräfte fürpoetische Kultur so groß gewesen, wie bei uns im vorigen Jahrhundert?Wer also so schnell nach dieser Zeit auf neue Göthe und Schiller hofft, dertäusche sich unserthalb in so schönen Erwartungen. Wir können nur aufeine äußere Zeitbegünstigung hoffen, wenn wir an ein neues und gesundesLeben in unserer Dichtung glauben sollen. Die junge Literatur wird es,theilweise wenigstens, zufrieden sein, wenn wir sagen: jene Blüte unsererDichtung ist einmal vorüber, sie ist ins Kraut gewachsen, es bilden sich dieSamenstengel für eine künftige Saat. Chamisso selber sagte dies seinenFreunden, sie wollten die Segensgabe der Dichtung, dem tauben Geschlechts